Gross: Erste Fahrt des „Humboldt“.
63
schoben, nachdem uns auf unsere Meldung- von dem G-eheimeii Civilcabinetmitg-etheilt worden war, dass Se. Majestät der Kaiser einer Auffahrtam 1. März Höchstselbst beizuwohnen geruhen wolle. Wir benutzten dieerübrigte Zeit, um die Spitzen der Militair- und Civilbehörden, sowie dieVertreter der Wissenschaft und sonstige Gönner unseres Unternehmens zudem ersten Aufstiege einzuladen und dem Platze eine für eine so illustreGesellschaft würdige Ausstattung zu verleihen. Am Tage vor dem Aufstiegewurde uns das Erscheinen der Allerhöchsten Herrschaften sicher zugesagtund die Abfahrt des Ballons auf 10 72 Uhr Vormittags bestimmt. So wurdedenn der 1. März für den Deutschen Verein zur Förderung der Luftschiffährtund für uns, die wir es übernommen haben, im Dienste der Wissenschaftin das zu erforschende Element selbst energisch einzudringen, ein Ehrentag-allererster Ordnung. Was wir nur im Stillen zu hoffen gewagt hatten,dass Se. Majestät, dessen Gnade dieses werthvolle Unternehmen zu dankenist, dem ersten Aufstiege Höchstselbst beiwohnen würde, es ist zur Wirklich-keit geworden. Dieser erneute Allerhöchste Gnadenbeweis wird uns dauerndden Impuls verleihen, bei der Durchführung unseres mühevollen und gefahr-reichen Unternehmens alle Kräfte einzusetzen, um uns des AllerhöchstenVertrauens wertli zu zeigen!
Am Nachmittage des 28. Februar wurde der Ballon zur Füllung aus-gelegt, die Füllung selbst, welche 4 Stunden voraussichtlich in Anspruchnehmen musste, wurde auf 5 Uhr Morgens des folgenden Tages festgesetzt.In der Nacht trat schlechtes Wetter ein, ein sehr starker Nordwind brachteKegen, sodass ich fürchtete, die Fahrt aufgeben zu müssen. Indessen flauteder Wind gegen Morgen ab, drehte nach Süd herum und verscheuchte dieKegenwolken, sodass die Füllung zur befohlenen Stunde beginnen konnte.Um 9 Uhr Morgens stand der Ballou straff gefüllt und fertig montirt bereit,wir begannen ihn mit den zahlreichen Instrumenten und sonstigem Zubehörauszurüsten.
Ausser den eigentlichen wissenschaftlichen Instrumenten, über welchebesonders berichtet werden soll, führten wir folgende Apparate mit uns:Eine Anschütz’sehe Moment-Camera, an einer Korbleine in einer Klemmemit Kugelgelenk aufgehängt und mit Gelb-Scheiben-Blendung versehen zurAufnahme von Wolkengebilden, einen Peil-Kompass und ein Doppelfernrohr.Die Generalstabskarte im Maasstabe 1 : 100 000 vervollständigte die in-strumenteile. und aeronautische Ausrüstung. Pelze und Pelzstiefel zumSchlitz gegen die Kälte in den höheren Luftschichten, sowie Wein undFleisch für 24 Stunden wurden im Sitzkasten des Korbes untergebracht 5auch wurde ein grosser weichgepolsteter Koffer aussen am Korbe ange-hängt, um vor der Landung die Instrumente schnell und sicher verpacken zukönnen.
Als um 10 Uhr Ihre Majestät die Kaiserin mit den drei ältesten König-lichen Prinzen und bald darauf Se. Majestät auf dem Platze erschienen,stand der „Humboldt“ zur Auffahrt bereit, nur noch von wenigen Menschen”