Band 
Erster Theil. Die Kunst, das Gewässer zu denen verschiedentlichen Nothwendigkeiten des menschlichen Lebens zu leiten, in die Höhe zu bringen, und vortheilhaftig anzuwenden.
Seite
41
JPEG-Download
 

——

V. Capit. Von Auszierung derer Gaͤrten. 41

„Man erblickt auch nahe am Labyrinth oder Irrgarten noch ein ander Balfin,welches Bachus, mit ſeinen Satyren oder Wald⸗Goͤttern und vielen Waſſer⸗Strah-ien begleitet, occupiret. Der Umfang dieſes Baſſins iſt mit Wein⸗Blaͤttern und

Wein⸗Trauben von Metall beſetzet. In dem gegenuͤberliegenden Gehoͤltze befindet

ſich noch ein Ballin, welches die Ceres occupiret. In der Mitte faͤhret ein Waſſer-

trahl in die Hoͤhe, von auſſerordentlicher Staͤrcke oder Dicke: und dieſer iſt wie-

erum mit acht andern umgeben. Der Rand dieſes Baſnns iſt mit Garben von ver-goldeten Bronze gusgezieret. 55 8

Noch weiter weg, trifft man noch ein Baſſin an, deſſen Mitte die Flora oc-

capiret. Dieſe Goͤttin iſt mit einer groſſen Anzahl von Waſſer⸗Strahlen umgeben.

In dem Mittel eleviret ſich einer über die andern insgeſamt ſolchergeſtalt in die Höhe,aß er gleichſam einen angenehm in die Augen fallenden Feder⸗Buſch kormiret. Die-em Baſſin zur Seiten befindet ſich das Baſſin d Encelade,(Enceladus, Nom. propr.

eines ungeheuren Rieſens) da man dieſen Rieſen auf ſolche Art erblickt, wie er

gleichſam mit denen Felſen beſchweret und bedeckt iſt, die er aufeinander geſchlichtet,um den Himmel zu ſtürmen. Die Groͤſſe und Staͤrcke ſeiner Figur iſt 4. bis 5. malgröſſer, als die naturliche. Aus ſeinem Munde faͤhret ein Waſſer⸗Strahl heraus,der Arms⸗ dick iſt, und ſich 27. Fuß hoch in die Hoͤhe eleviret. Man erſiehet auchgus denen Felſen eine groſſe Menge Waſſer⸗Boüillons oder Waſſer⸗Brudel herausgehen, welches ein praͤchtiges Anſehen giebet. 18 Ich wuͤrde kaum zum Ende gelangen koͤnnen, wann ich aller dererjenigen ma-dnifiquen Baſſins gedencken wolte, die man faſt bey jedem Schritte antrift, von denendennoch eines derer aller ſchoͤnſten das Baſſin de Isle d Amour(Liebes- Inſul) oderlele Royale(die Königliche Inſul) iſt, welches einen Canal formixet, in deſſenMitte ſich eine Inſul befindet, die mit 30. Waſſer⸗Strahlen umgeben. 5g F. 1437. Diejenigen Waſſer⸗Wercke,(welche die Frantzoſen Napes Von denen Na-eau nennen) die eigentlich nichts anders als Arten von Waſſer⸗Faͤllen ſeynd, pes d'eau oderkhun in denen Gaͤrten ebenfalls auch gute Wuͤrckung. Sie muͤſſen aber von keiner Sülen 1 1 aRoſſen Hoͤhe herunter fallen, ſonſten zerreiſſen ſie und laſſen leere Raume darzwiſchen. Waſſer 1 Ersteie Schoͤnſten ſeynd, die am mehreſten mit Waſſer verſehen ſind. Sie müͤſſen da⸗ ſung. ahero zum wenigſten auf jeden Fuß ihrer Lange 2. Waſſer⸗olle ergieſſen. Haͤtte mano einen dergleichen Waſſer⸗Fall, der 10. Fuß lang waͤre; ſo brauchte man 20.Waſſer⸗Folle vor ſeine Ergieſſung. Man ſiehet zu Verſailles vornen an der Waſſer-Allee einen ſehr ſchoͤnen dergleichen Waſſer⸗Fall, und noch einen ſchoͤnern zu Chan-ey, welcher zu der Unterhaltung des Canals und des groͤſten Theils derer ubrigenWaſſer⸗duſt⸗Stücke im Garten dienet. i 8 ö 31438. In denen Gaͤrten, wo ſpringende Waſſer ſeynd nennet man ei⸗ Beschreibung de;

i dige WBaffe⸗Wercke, Fontainen, Spring⸗Brunnen. Sie beſtehen aus verſchie⸗ rerjenigenFontal-

denen Schaalen, von Marmor oder Bronze, die nach der Hoͤhe zu immer nen, deren manAuggen aun Fer, weiß angeordnet ſeynd, und zwar an einem gemeinſchafftlichen be 1metalenen Stamme; der ſich mit einem Waſſer⸗Orudel oder Boiilon Geau oben gehen findiget, deſſen Waſſer ſich in die erſte und oberſte Schaale, aus dieſer nach und nachin die untern Calcaden⸗ weiß ergieſſet, und ſolchergeſtalt viele Waſſer⸗Faͤlle kormiret,is ungemein ſchoͤn in die Augen fallen. Dieſe Arten von Spring⸗Brunnen werdendeehrenheils in die Mitte eines Waſſer⸗Keſſels oder Pals plaeiret, in welchem ſichP Waſſer gleichſam ſammlet. Auf ſolche Art iſt zu Verlailles die Fontaine de1 Oile beſchaffen, welche aus 5. Wereinandenſe enden Waſſer⸗Faͤllen beſtehet, diem ichſam einen„Berg kormiren. 1;h endigen ſch ge, enten mit einer Statuè, die Waſſer aus wirft:dergleichen iſt abermalen zu Werlailles die Fontaine de la Renomée, welche dieſe Goͤt-zin mit einer Trompete vorſtellet, zu welcher ein Waſſer⸗ Strahl heraus fahre, derdid auſſerordentlich hoch eleviret. Dieſe Figur hat unter ihren Fuͤſſen eine Kugel,G5 zu einem ſchoͤnen niedrigen Waſſer⸗Fall Anlaß giebet. Das Baſſin iſt mit einemodeländer oder einer Baluſtrade von vergoldeten Bronze umgeben, mit Piedeſtallenwor Fuß⸗Geſtellen befeſtiget, aus jeden von dieſen ein Waſſer⸗Brudel heraus gehet,ſorbeen das Waſſer in einer auf der obern Decke der Palutrade angebrachten Rinneigen Waſſer⸗Fall kormiret. 5 5 0 8an ez Wann verſchiedene dergleichen Fontainen hintereinander auf einer Linie weg,treße em vortheilhaftigen Orte wohl placiret ſeynd ſo machen ſie zuſammen ein vor-liches Anſehen, und man kan auch ohne Bewunderung, die 3. Fontainen dersch er⸗Allée zu Verfallles, nicht anſchauen, als welche gewißlich eines der aller-onſten Stücke im Garten ausmachen.* trifft auch zu Liancourt, einem 15