Band 
[Zweyter Theil.]
Seite
789
JPEG-Download
 

78?

ftln der Haare der Weibspersonen, wie nicht weni-ger die seit etwas Zeit neuaufgekommene Reifröcke.

Auch hier, wie überall, erzeugte der Reichthumweit eher Kostbarkeit als Geschmack in der Kleidung.Zum Geschmak, wie zur Natur, scheint man die Rükskehr nicht eher wider zufinden, bis man sich einmalauf allen Irrwegen der Phantasie ganz müde ge-laufen. Ziemlich ungereimt war wol noch Anfangsdes XVIII. Jahrhunderts die Kleider - Architectur,wenn das Gemälde davon in dem Sittenmahler vonI. 1722 nicht überspannt ist. *) So B. wird ei-ne Advokatentochter, freylich über ihren Stand ge-kleidt, unter folgenden Zügen geschildert: „Sie„ tragt eine Kappen von Gold durchnäht, darauf„ ein Pusch einer halben Ellen hoch gebaut ist, der„ sich nach der neusten Mode gegen dem Gesicht„niederbückt; ihr Halsschmuk sind zehnfach ge.„ schmelzte Kettlein; ihr Kleid ist von Brocard mit„ goldgelben Blumen durchwirkt. „ In einem an-dern Stück wird der Luxus in Spitzen und Kantenbeschrieben: „ Die Summe, heißt es, „ welche„ Weiber und Töchter bey uns auf diesen Theil„ ihres Schmucks verwenden, belauft sich höher als„ diejenige, welche sie für Leinwand ausgeben. Man„ kennt die Frau eines Handwerkers, die auf Einem„ Hemde an Spitzen tragt, was ihr Mann in einer„ Woche mit dem Schweiß seines Angesichts gewon.„ nen hat. Ein einziges Paar Manschetten ist schon„ auf vierzehn Thaler gestiegen. Durch das Man-dat vom I. 1755 ward eine grosse Veränderung in

*) S. Schweizersches Museum, St. VI. vom Jahr i 78 Z.