Band 
[Zweyter Theil.]
Seite
801
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8o!

genröthe kalte und halbersiorbene Graubarte ausdem Schlafe hätte aufwecken können/ so unbezwing-bar ergriff die Flamme jedes aufstrebende Genie/auf welches in der Jugend ohnehin alles Neue/sondecheitlich wenn es noch Wiederstand findt/ soviel magische Kraft hat. In einem Zeitalter erschiennen Bodmer und Lrettinger, wo noch unbezwnn-gene Barbarey die bessern Köpfe gegen ihren bleyer-neu Zepter empörte; wo beym Gefühl eigner Starrke keiner dem andern neidisch im Wege stand, wovielmehr gleicher Enthusiasmus sie alle gegen dieLyranney der Dummheit bewaffnete. Gleichwie vor-mals die Glaubensverbesserung, so nahm nunmehrauch die Verbesserung des deutschen Geschmacks ih-ren Anfang in Helvetien. Elektrisch pflanzte die ersteEntzündung sich fort, und, was man überall steht,geschah auch da, daß nämlich die bessern Genien injedem Fache erst mit dem Zeitpunkt einer gebildetemSprache und meistens in dem gleichen Zeitraum er.scheinen. Hat einmal ein außerordentlicher Schrift-steller den Karacter der Sprache erhäscht und inseinen Werken dargestellt, so kehren plötzlich alle gu-ten Köpfe die Augen auf dieses ungewöhnliche Ge-stirn. Freylich entstehen anfangs ein Haufen Nach-ahmer; unvermerkt aber sucht jedes Talent seine ei-gene Aussicht. Wenn Lodnier auf Fittigen derEpopäa mit seinem Milton bald ins Pandämon,bald in die Blumenhaine des Paradieses sich verirrt,wenn er als Kunstrichter die Deutschen auf die Na-tur und auf die claßischen Schriftsteller aufmerksammacht, und sonderheitlich die Minen der altdeut-schen Sprache wieder eröffnet, so stiftet sich Hakler(II. Theil.) Eee