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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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Der Schutz für das Monogramm.

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handen nehmen. Actum Sabats poft Circumcifionis Domini 1512« 1 ).Das Verbot war ohne Zweifel durch eine Klage Dürers provociert.Ebenfo verfäumte er nicht, feinen illuftrierten Büchern, darunter auchdem Marienleben, die Drohung beizufügen: »Wehe Dir Verfolger undDieb an fremder Arbeit und Begabung; hüte Dich, an diefe unfereWerke die dreifte Hand anzulegen!« u. f. w., mit Berufung auf ein ihmvom Kaifer Maximilian verliehenes Privilegium: »dafs niemand mitunterfchobenen Platten diefe Bilder nachdrucken dürfe«. Vielleicht iftdenn Marcanton auch bereits mit gemeint unter jenen venetianifchenMalern, von denen Dürer am 7. P'ebruar 1506 fchreibt: »Auch find mirihrer viele feind und machen mein Ding in Kirchen nach, und wo immerfie es bekommen mögen«. Darunter müffen nicht etwa Gemälde vonDürer verftanden werden, fondern ficherlich nur feine Kupferfliche undHolzfchnitte, welche entweder an den Kirchenthüren feil gehalten, odervon Andächtigen als Votivbildchen innerhalb derfelben aufgehängtwaren. »Nachher«, fügt Dürer hinzu, »fchelten fie es und fagen, esfei nicht antikifcher Art und darum fei es nicht gut« — ein Vorwurf,den die Venetianer gegen den deutfchen Meifler gewifs mit demfelbenRechte in’s Feld führten, wie die Florentiner und andere Italiener, vorallen Vafari, gegen fie felbft.

Das fichere, ruhig ablehnende Selbftbewufstfein, das in jenenwenigen Worten liegt, wird erft ganz verftändlich, wenn wir Dürer als bereits auf der Höhe feiner Kunft angelangt, als den fertigenMeifter der Paffionen und des Marienlebens erfaßen. Und das warDürer fchon im Jahre 1504, denn in den Werken diefes Jahres liegtbereits alles befchloffen, was Dürer auf dem Gebiete der religiöfenKunft Grofses fchaffen follte. Nach langem, bangen Suchen zwifchenUeberlieferung und Natur hatte er die Formenfprache für den Aus-druck feines tfefften Inneren gefunden, und mit gewaltiger Kraft-anftrengung zwang er die abgekehrten Pole des gährenden Zeitalters,Glauben und Wiffen, zu einem harmonifchen Ringe zufammen. Denvollen Strom chriftlicher Gefühlsinnigkeit gofs er in taufend neue,dem Leben abgelaufchte Formen, wie fie nur die deutfche Volksfeelefo tief nachzuempfinden weifs; die Brücken der italienifchen Renaiffance,das leicht gefchürzte Gängelband der Antike, rifs er hinter fich abund gelangte felbftändig zu jener muftergiltigen, feitdem typifch ge-wordenen Darftellung der heiligen Gefchichten, an der die ganzemoderne Menfchheit ihre fittigende Erbauung gefunden hat.

Thatfächliche Gründe für Dürers zweite Reife nach Venedig waren

1) Campe, Reliquien, 183. Baader, Beiträge I, IO. mit Berichtigung der Jahreszahl.