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fchreibt, »er habe für mehr als 2000 Ducaten Arbeit ausgefchlagen«— es dürfte ihm eine Null zu viel durch die Feder gefloffen fein.Eine fitzende Madonna von 1506, faft lebensgrofs, von zwei fchweben-den Engeln gekrönt, befindet fich im Befitze des Marquis von Lothianin Schottland ; das Bild befand fich 1871 auf einer Ausftellung derRoyal Academy in London , es ift flark verrieben und übermalt, follaber die Spuren der Aechtheit noch tragen. Dünn gemalt und fchlechterhalten ift noch ein Apoftelkopf mit verwifchter Jahreszahl aus derGalerie Spannocchi in der Akademie zu Siena *).
Von den Ausflügen, welche Dürer von Venedig aus in das übrigeItalien zu machen beabfichtigte, hat er, fo viel wir wiffen, blofs einenwirklich unternommen. Am 28. Auguft fchreibt er zwar: »Ich binwillens, • wenn der König nach Wälfchland kommt, möchte ich mitnach Rom «; der Römerzug Maximilians kam aber nicht zu Stande.Auch Dürers Wunfch, den greifen Mantegna in Mantua aufzufuchen,ward durch deffen plötzlichen Tod am 13. September 1506 vereitelt.Nur nach Bologna ift Dürer wirklich gekommen. In feinem letzten,uns erhaltenen Briefe aus Venedig , datiert »ungefähr« am 13. October1506, fchreibt er: »ich bin in noch 10 Tagen hier fertig; darnachwerde ich nach Bologna reiten um der Kunft in geheimer Perfpectivewillen, die mich einer lehren will«; in 8 oder 10 Tagen wollte er vondort wieder nach Venedig zurückkehren. Dafs Dürer diefen Vorfatzwirklich ausführte, wiffen wir durch Chriftoph Scheurl, der feit 1497in Bologna ftudierte, in den Jahren 1504—1506 das Syndicat der deut-fchen Nation an der dortigen Univerfität bekleidete und am 23.December1506 dafelbft zum Doctor beider Rechte creiert ward. Scheurl warin einem Haufe gegenüber von Dürers Vaterhaufe »unter der Veiten«geboren und, obwohl zehn Jahre jünger als Dürer, ftets deffen naherFreund und begeifterter Verehrer. Er berichtet uns nun, dafs Dürer damals über Ferrara kam und dort Gegenftand poetifcher Huldigungenwar, dargebracht von dem Humaniften Riccardo Sbroglio aus Udine ,der wohl auch durch Scheurls Vermittelung vom Kurfürften Friedrichdem Weifen an die Univerfität nach Leipzig berufen ward 1 2 ). Scheurl
1) Crowe & Cavalcafelle a. a. O. V.
177. Abgethan feien bei diefer Gelegen-heit für Italien : ein Ecce liorao von Judengeführt, Knieftück, im Dogenpalaste zuVenedig , niederländifche Arbeit, es giebtdavon einen grofsen Stich in Zeichenmanier;ein Mädchen mit einer Katze am Fenfter,bezeichnet mit der Jahreszahl 1508 undder Infchrift: »Ich pint mit vergis mein
nit« beim Principe di Santangelo in Nea pel hat nichts mit Dürer gemein; einkleiner Ecce liomo bez. 1514 in der CasaTrivulzi zu Mailand ifl eine Nürnberger Fälfchung; desgleichen ein Johanneskopfbez. 1521 in der Galerie Manfredini inVenedig .
2) Libellus de laud. Germ.: »Tantampingendi artem, multis seculis intermissam,