Bildniffc. Briefe an Pirkheimer.
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fie hält in den Händen einen offenen Sack, in dem grofse Goldstückeblinken; dazu das lange ftraffe blonde Haar und die welke Bruft,indefs die linke Schulter von einer hochrothen Draperie bedeckt wird:ein Inbegriff phantaftifcher Häfslichkeit, um fo fcheufslicher, als dieAnlagen des langen Geflehtes im Grunde edel und regelmäfsig find.Das Merkwürdigfte daran ift aber die wohlerhaltene Malweife, diebreite, paftofe Körperlichkeit, mit der die zähe Oelfarbe unmittelbaraufgetragen ift, dazu die Farbengluth, deren warme Tiefe freilichdurch die ftete Abfonderung vom Lichte noch verftärkt fein mag;aber auch abgefehen davon ift die Verwandtfchaft mit der Paletteeines Vittore Carpaccio , eines Giorgione oder Tizian unverkennbar.Das lackrothe Tuch für fich allein würde die Malerei als venetianifcherfcheinen laffen, wenn nicht der äufsere Zufammenhang und etwadie Haarbehandlung Dürers Autorfchaft verbürgte. Nicht blofs demSinne nach, auch in der Maltechnik bildet diefe Avaritia eine kraffeParodie auf das Bildnifs der Vorderfeite mit feinem dünnen, fein ver-fchmolzenen, lafierenden Vortrage, offenbar noch auf einem Tempera-grunde.
So hätten wir denn hier auch ein malerifches Zeugnifs von derübermiithig fröhlichen Stimmung, in welche der längere Aufenthaltin Venedig Dürer allgemach verfetzte und von welcher uns derzweite Theil feiner Briefe an Wilibald Pirkheimer die köftlichftenProben giebt. Diefe bereits öfters angezogenen Briefe Dürers anPirkheimer bilden eine Hauptquelle für diefen wichtigen Abfchnittfeines Lebens, ja für Dürers Gefchichte überhaupt. Urfprünglicli achtan der Zahl fanden fie fich mit einigen Büchern und anderen Schriftenin einem lang vermauert gewefenen Raume des Imhoff’fchen Haufes,als dasfelbe in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch Erbfchaftan Chriftoph Joachim von Haller übergieng. Seitdem wurden fie wieder-holt von Murr, Campe und Eye veröffentlicht und durch die Auf-findung eines weiteren Briefes in der Bibliothek des britifchen Mufeumsauf neun vermehrt'). Sie zerfallen deutlich in zwei Gruppen. Dieerfle umfafst die fünf Briefe vom 6. Januar bis zum 2. April 1506.Sie athmen noch etwas von den Sorgen, die daheim auf dem Meifter