Falfche Medaillen.
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Profil des fogenannten Wolgemut auf der dritten Medaille betrifft, feiblofs bemerkt, dafs es zurücktretende Stirne und Kinn, vorfpringendeOberlippe, lange, aber eingebogene Nafe mit knopfförmig aufflehen-der Spitze zeigt -— und damit vergleiche man oben unfere genaueReproduction von Dürers Originalzeichnung zu dem Münchener Bild-niffe feines Meiflers. Viel eher deutet der unförmlich dicke Hals unddie weit hinten auffitzende Haarhaube auf diefelbe Fabrik, aus welcherdie falfchen, linkshin gewandten Profilzeichnungen der Sammlungenvon Derfchau und Heller hervorgegangen find. Die Vorliebe fürMünzen und Medaillen, die numismatifche Sammelwuth kamen inNürnberg erft im fpäteren XVI. Jahrhunderte recht in Schwang, unddie technifchen Leiftungen, welche die ftarke Nachfrage im Gefolgehatte, waren mitunter nicht wenig gelungen. Dürer , der Ruhm Nürn bergs , blieb für diefe Epigonen ftets ein beliebter Gegenftand, undfomit auch die Perfonen, die mit ihm im Leben zufammenhiengen.Das ift leicht begreiflich, während es im andern Falle billig Wundernehmen müfste, dafs ein Künftler wie Dürer gerade nur Medaillenvon Vater, Lehrer und Weib hinterlaffen hätte. Als Subftrat für dieAnfertigung der beiden erfteren mögen allerdings die von Dürer ge-malten Bildniffe gedient haben. Zum Ueberflufs ift uns auch nochein Ausfpruch Dürers überliefert, der ihn füglich vor der fernerenZuweifung folcher Curiofa fchützen könnte. Eben im Jahre 1509, da dieZufendung jenes Frauenbildchens erfolgte, fchickte Kurfürft Friedrichzwei Pfennige oder Medaillen nach Nürnberg ; eine davon liefs erDürern überreichen und ihn um Rath fragen, wie fie gegoffen werdenfollten, damit fie »beftenndig« würden. Dürer antwortete aber, »erpflege mit folchen Dingen nicht umzugehen und könne fomit demKurfürften keinen genugfamen Bericht geben« *).
Und doch war die Ausführung in Metall ficher noch diejenigeArt der plaftifchen Technik, welche Dürer, dem gelernten Goldfehmiedeam meiften vertraut war. Insbefondere vom Metallgufs fpricht er ausErfahrung, indem er zur Erläuterung des Satzes, dafs kein Kunftwerkdem anderen völlig gleich kommen könne, anführt: »denn wir fehen,fo wir zween Druck von einem geftochen Kupfer thun, oder zweiBild in ein Model giefsen, dafs man von ftund an Unterfchied findt,daraufs fie vor einander zu erkennen find vieler Urfach halben. Soes nun in den allergwifsten Dingen fich alfo findt, viel mehr in andernDingen, das da von freier Hand gemacht würde« 1 2 ). Nur hiefse es
1) Baader, Beiträge II, 35. Ueber die I S..141.
falfchen Profilzeichnungen, vergl. oben | 2) Proportionslehre T. verso.