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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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339
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Niello ; der Degenknopf.

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Schwertknopf kommen ift. Welches Schwert fammt diefem Crucifixich etlichemalen zu Innsbruck gefehen hab in der Rüftkammer; iftnachmals gen Wien kommen, da hab ichs wiederum in der Rüft-kammer gefehen im Jahr 1556«. Und in der That befindet fich dasSchwert noch in Wien in der Ambrafer Sammlung, nur ift das DürerfcheGoldplättchen längft abhanden gekommen. Die runde Vertiefung ander Vorderfeite des rautenförmigen Griffendes, wo dasfelbe eingelaffenwar, mifst fo wie die Abdrücke 37 Millimeter im Durchmeffer l ). Dieandere, entgegengefetzte Seite des Knaufes zeigt auf einem emailliertenSilberplättchen vier Wappen, vermuthlich von Nürnberger Familien 2 ).Das Schwert fcheint fomit zu einem Gefchenke für den Kaifer gedientzu haben. Und da Maximilian I. bereits am 12. Januar 1519 ftarb,dürfte die Entftehung von Dürers Niello nicht über das Jahr 1518herabzufetzen fein. Seine Benennung »Degenknopf« beruht, wie wiralfo fehen, auf einer guten Tradition. Das kleine, vielbewunderte Kunst-werk war mit dem blofsen Grabftichel ausgeführt. Es ift wohl daseinzige, was Dürer fo in Gold geftochen hat, und zugleich der kleinftefeiner Stiche 3 ).

Mehr noch als im Kupferftich ergofs fich der unerfchöpflicheReichthum Dürers im Holzfcbnitte. Die Vollendung des Allerheiligen-bildes bezeichnet auch auf diefem Gebiete den Höhepunkt feinesSchaffens ; ja das Meifterftück, der grofse Holzfchnitt der Dreifaltig-keit vom Jahre 1511 (B. 122) ift fozufagen nur eine Variante der Mit-telgruppe in jenem Gemälde; er erfcheint wie eine Nebenfrucht der-felben Studien. Die Sorgfalt und das Zartgefühl, mit welchem hierder Holzfchnitt die Zeichnung des Meifters wiedergab, übertrifft alles,was die Technik bis dahin aufzuweifen hatte, und auch das, was fiein der Folge noch erreichte. Die Strichlagen find mit einer Weich-

1) An feiner Stelle befindet fich nunein Ofterlämmchen in Silberblech getrieben,eine fpäte, ganz werthlofe Arbeit.

2) Wenigftens laffen fich zwei derfelben

als Nürnberger Familienwappen beftimmen.Auf quadriertem Schilde: i. wie ein fcliwar-zer Widderkopf mit rothen Hörnern links-hin im goldenen Felde; 2. Eine halb fil-berne, halb rothe Lilie im umgekehrt ge-färbten Felde Wappen der Nürnberger Welfer; 3. Eine halb filberne, halb fchwarzefchrägftehende Lilie im entgegengefetzt ge-färbten Felde; 4. Zwei goldgekrönte, fil-berne Löwen, kreuzweife im rothen Felde,Wappen der Ammon. Vergl. Freih. v.

Sacken, Die Ambrafer Sammlung, Wien 1855.1,269.

3) Zugefchrieben wird ihm zwar einnoch kleinerer Hieronymus in der Wüfte(B.62) mit blofs 29 Millimeter Durchmeffer,welchen fchon Sandrart als einzige Selten-heit in der Sammlung des fchwedifclienRefidenten Spiring im Haag bewunderte;es ift eine ganz kräftige Radierung aufKupfer, in Dürers Art gezeichnet und mitAnlehnung an deffen Stiche und Holz-fchnitte desfelben Gegenftandes hergeftellt.Noch weniger kömmt ein anderes Niello,das mit Recht fogenannte Parisurtheil (B.65) für Dürer in Betracht.