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XV. Die Niederländifche Reife.
An einer anderen Stelle erwähnt Dürer, er habe drei Ausführungenund zwei Oelberge auf fünf halben Bogen gezeichnet; alfo dreimal dieAusführung zur Kreuzigung und zweimal Chriftus auf dem Oelberge,je auf einem halben Bogen. Es können nur Compofitionsentwürfegewefen fein, welche Dürer einem minder erfindungsreichen Kunft-genoffen gemacht und zur Verfügung geftellt hat. So befinden fichzwei vortreffliche, figurenreiche Federzeichnungen, den Zug zur Kreu-zigung ganz verfchieden darftellend in den Uffizien zu Florenz , beidevon 1520 auf halben Querbogen; das einemal ift Jefus unter derKreuzeslaft zufammengefunken, das anderemal hält er flehend dasKreuz aufrecht. Zwei eben folche Skizzen zu Chriftus im Oelgartenbefinden fich im Städel’fchen Inftitute zu Frankfurt , das eine fchonoben erwähnte zeigt Jefum flach auf dem Boden ausgeftreckt, ächtbezeichnet 1521, auf dem anderen erhebt er verzweifelnd die Händezum Himmel, es trägt deutlich die Jahreszahl 1524 — vielleicht einSchreibfehler. Seitenftücke dazu nach Format und Behandlung bildennoch zwei verfchiedene Entwürfe von der Grablegung, deren je einerin den foeben genannten zwei Sammlungen aufbewahrt wird; beidevon 1521.
Dürer verkehrte auch mit Meifter Gerhard, dem Illuminiften. Esift der berühmte Miniaturmaler Gerard Horebout, den die ErzherzoginMargarethe viel befchäftigte und aus deffen Werkftatt eben das Bre-viarium Grimani hervorgegangen war, denn er ift wohl identifch mitdem »Girardo de Guant« des Morelli’fchen Anonymus, der gerade imJahre 1521 den berühmten Codex beim Cardinal Grimani fah. Dürerberichtet auch von deffen i8jähriger Tochter, Namens Sufanna. Sieilluminierte ein Blättchen, einen Salvator; dafür gab ihr Dürer einenGulden, und er meint: »es fei ein grofses Wunder, dafs ein Weibsbildfo viel machen kann«. Sufanna ward nachmals eine berühmte Künft-lerin zumal in der Ausführung ganz kleiner Arbeiten; fie ward vonKönig Heinrich VIII. mit hoher Befoldung nach England berufen, wofie viele Jahre in hoher Gunft beim ganzen Hofe lebte und dortfchliefslich reich und hochgeachtet ftarb ').
Am 30. Mai fah Dürer noch den prächtigen Frohnleichnamszugin Antwerpen . Am 5. Juni übergab er den zweiten grofsen Ballendem Fuhrmann, dafs er denfelben an Hans Imhoff nach Nürnberg befördere. Bevor er aber felbft die Zelte abbrach, wollte er nocheinmal bei der Regentin fein Glück vcrfuchen. Er zog alfo mit feinenKunftfachen nochmals nach Mecheln und kehrte dort bei dem Maler