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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVt. Die Reformation.

Das find Männer von Herz und Witz, ftets fchlagfertig und bereiteinzugreifen in den grofsen Kampf der Tagesmeinungen.

Eine Verkörperung diefer deutfchen Geiftesrichtung ift Dürers»Reiter« von 1513. Von diefer Seite hat man das Blatt längft aufge-fafst, daher auch die Benennungen »der Ritter trotz Tod und Teufel« 1 )oder »der chriftliche Ritter mit Tod und Teufel« 2 3 ), auch wohl der»Reformationsritter«. Ja man wollte gar Franz von Sickingen in demReiter erkennen; andere wieder riethen auf Dürers Freund StephanPaumgärtner :i ). Auf diefe Namen aber verfiel man aus keinem anderenGrunde, als weil der Kupferftich vor der Jahreszahl den ganz uner-klärten Buchftaben S führt. An eine beftimmte Perfönlichkeit iftüberhaupt nicht zu denken. Dazu ftimmt fchon die lange Vorge-fchichte der Erfindung nicht, da ja das Studium der Reitergeftalt be-reits aus dem Jahre 1498, die Conftruction des Pferdes vermuthlichfchon von 1506 flammt 4 ).

Auch darüber täufchte man fich nicht, dafs der Stich Dürerskeines der landläufigen Todtentanzbilder fei; denn trotz feiner Schreck-barkeit triumphiert nicht der nebenher reitende Tod und noch wenigerder hinterdreinlaufende Teufel, fondern der Ritter, der Menfch ! Da-bei hätte man aber auch die auffallend ftark angefpannten Lach-muskeln des Ritters nicht überfehen füllen ; er grinft förmlich. Nurdie düftere Umgebung, die Spuckgeftalten und die fremdartige Rüftungdes Reiters mögen es verfchuldet haben, dafs man auf diefe Mund-ftellung, die wie verhaltenes Lachen ausfieht, noch nirgends Gewichtgelegt hat. Man wird aber zugeben, dafs die Erklärung des Bildesdurch das Mienenfpiel der Hauptfigur ganz wefentlich beftimmt wird.Es ift auch keineswegs Nachtzeit gemeint, fonft wäre nicht die Ausfichtauf die Burg hell und klar und das Stück Firmament ganz weifs ge-blieben. Nur die Oertlichkeit, in der fich der Ritter eben befindet,ift wild und fchaurig gefchildert. Unerfchrocken, unverwandt verfolgter aber feinen Weg durch die dunkle Bergfchlucht, getragen vomedelften Gaul, gefolgt von feinem treuen Hunde. Dafs ihn der Todanglotzt, ihm die Sanduhr hinhält, macht ihn nur fchmunzeln, dafsder drollige Teufel hinten nach ihm fafst, fchiert ihn gar nicht er

1) Retberg Nr. 203.

2) Sandrart und Heller Nr. 1013.

3) So Retberg a. a. O. wegen der ähn-lichen Rtiltung desfelben auf dem Flügel

des Paumgärtnerfchen Altares. Da aber dieRüftung auf dem Kupferftiche blofs eine ge-treue Nachbildung nach dem Reiterftudiumder Albertina vom Jahre 1498 ift und

eine Identität der Köpfe nicht erfichtlich,bleibt diefe Vermuthung eben fo unhalt-bar, wie die Hellers bezüglich Sickingens.Höcliftens könnte man daraus fcliliefsen,dafs Stephan Paumgärtner Dürern zu jenerZeichnung zu Pferde Modell gefeffen habe.

4) Vergl. oben S. 275.