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XVI. Die Reformation.
hienieden deinem Meifter Chrifto ähnlich würdefl und Schande von denLügnern in diefer Zeit erlitteft und darum eine kleine Weile früherflürbefl, fo wirft du doch deflo eher aus dem Tode in’s Leben ein-gehen und durch Chriflum verherrlicht; denn fo du aus dem Kelchetrinkefl, den er getrunken hat, wirft du mit ihm regieren und richtenmit Gerechtigkeit jene, die nicht redlich gehandelt haben. O Eras-mus! halte dich zu uns, dafs fich Gott deiner rühme, wie von Davidgefchrieben fleht, denn du kannft es thun und fürwahr, du kannft denGoliath fällen!« u. f. w.
Die Identificierung der freieren humaniftifchen Richtung mit derreformatorifchen dürfen wir Dürer damals wohl zu Gute halten. Umdiefelbe Zeit war es, dafs Pirkheimer noch bei einem Gaftmahle inNürnberg gegen Kilian Leib äufserte: »Die Unordnungen, die in dieKirche eingeriffen find, können auch nur durch Unordnungen wiedergut gemacht werden« '). Dürer konnte fomit, als er jenen Hilferufniederfchrieb, noch nichts wiffen von den tiefen Riffen, welchealsbald die Fortfehrittspartei fpalten füllten, einreifsend einerfeitszwifchen den Humaniften und Reformern, anderfeits zwifchen diefenund den myftifch-focialiftifchen Sectierern. Freilich kannte er auchden kleinen grofsen Mann von Rotterdam , obwohl er ihn porträtierthatte, doch zu wenig, da er ihm eine tragifclie Heldenrolle zudachte,demfelben Erasmus, der zwei Jahre fpäter den landflüchtigen, ausallen Wunden blutenden Ulrich von Hutten zu Bafel von feiner Thürewies, um fleh nicht mit ihm zu compromittieren, und der dann denfo fchwer Gekränkten noch bis in den Tod mit giftigen Hetz- undSchmähfchriften verfolgte.
Auch in Nürnberg hatten fich, als Dürer aus den Niederlandenheimgekehrt war, die Extreme noch nicht fo fcharf gefchieden. Ja esgab fogar noch eine Zeit fröhlichen Zufammenlebens, als der Rathim Jahre 1524 befchlofs, eine hohe Schule zu errichten, deren Leitungman Philipp Melanchton zudachte. Diefer folgte zwar dem Rufe nicht,kam aber auf Erfuchen des Rathes wiederholt nach Nürnberg , umdort die Einrichtung der neuen gelehrten Schule zu beforgen, derenEröffnung am 23. Mai 1526 er gleichfalls beiwohnte. Auf feinen Rathwaren als Lehrer berufen: Joachim Cammermeifter oder Camerarius ,der Liebling Melanchtons, als Profeffor der griechifclien Sprache undzugleich Director der Schule, Eobanus Heffe für Poefie, Michael Roting für die lateinifche Sprache, Johann Schoner für Mathematiku. a. Sie bildeten mit Spengler, Hopell, Mylius, Seiler und mit den