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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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481
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Apoftelbilder.

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die Rückficht darauf trat hier in den Hintergrun d vor dem Intereffeam phyfiognomifchen Studium '). Im Jahve 1523 bereitete er abernoch die Entwürfe für andere Blätter der Folge vor im Anfchluffean eine gealterte Maria, fitzend mit einem Buche auf den Knieen, von1521 in der Albertina. Es find Kreidezeichnungen auf lichtgrünemGrunde, ganz wenig gehöht; vier davon befinden fich in der Albertina,eine fünfte, Judas Thaddaeus fitzend , bei Pofonyi-Hullot.

In einem diefer Apoflel, der die Hände faltend nach oben blickt,alfo wohl St. Johannes, hat man wegen einer fehr entfernten Aehn-lichkeit des Kopfes mit dem Porträte Martin Luthers , das Bildnifs desletzteren erkennen wollen 1 2 ); ganz mit Unrecht, denn es ift nur derKopf eines Modells, der wiederholt vorkömmt. Diefelbe Figur ward,vielleicht aus gleichem Grunde, bereits im XVI. Jahrhundert, als fichder Nachlafs Dürers noch in Nürnberg befand, von einem Fälfcherin die Contouren eines unvollendet gebliebenen Kupferftiches aufge-nommen, der Chriftus am Kreuze darftellt mit mehreren Figuren,darunter rechts betagter Johannes. Schon Sandrart gedenkt diefesgrofsen unvollendeten Crucifixes, das feitdem als Rarität immer wiederin den Köpfen der Liebhaber fpuckt 3 ). Dagegen wird jedoch dergrofse Holzfchnitt: Chriftus am Kreuze umfchwebt von drei Engeln,welche in Kelchen fein Blut auffangen 4 ), auf eine Zeichnung Dürersaus dem Anfänge der zwanziger Jahre zurückzuführen fein. Nur diealten Drucke, auf denen von dem unteren Engel blofs der Ober-körper fichtbar ift, geben die einfache Gröfse des Entwurfes fcharfwieder; fie find fehr feiten. In den fpäteren Drucken erfcheint ein zweiterHolzftock von fremder roher Arbeit unten angefügt, der das Gewandund die Hand des Engels und den Fufs des Kreuzesftammes ergänzt.So ward das Blatt zu einem Ablafsgebete benützt und endlich nochvon Derfchau abgedruckt. Im Jahre 1523, da fich Dürer lo eifrigmit Apoftelftudien befchäftigte, entwarf er auch noch einmal dasletzte Abendmahl zu dem fchönen Holzfchnitte diefes Jahres inQuerfolio; und zwar verfammelte er die Apoftel mit dem Heilandeum einen langen fchmalen Tifch, wie dies die Italiener zu thunpflegten (B. 53). Merkwürdig ift das Vorftudium dazu, eine Feder-

1) J. Meyer u. W. Bode, Verzeichnifsder Sammlung Suermondt, Berlin 1875.Nr. 7. Das Bild flammt aus der Sammlungdes geh. Raths Kirfclibaum in München ,verfteigert 1849. Vergl. Heller, S. 199.

2) Rudolph Weigel: Dr. Martin Luther ,

abgebildet von Albrecht Dürer , mit Ilolzfcli.im Deutfchen Kunftblalt 1850, Nr. 38, S.

Th auf in g, Dürer.

297. Auch lithogr. in L. Förfters Copicnaus der Albertina.

3) Heller Nr. 2250; Paffavant Nr. 109;Retberg Nr. 253. Vergl. Hausmann a. a.O. 39 ff. Es giebt von diefer Fälfchungauch noch eine täufchende Copie von Nufs-biegel.

4) Bartfeh 58; Heller 1643.

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