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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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515
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Die- Speife der Malerknaben.

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und Sechstheilung die einzelnen Punkte des Programmes nach Ab-theilungen und Unterabtheilungen; wenigftens ift ein Theil des Ent-wurfes fo ausgearbeitet. Der erfte Punkt bezieht fich auf die Wahldes Knaben, der Maler werden foll u. f. w. Ein eigener Abfchnittfoll auch davon handeln: »wie fleh ein folcher überfchwänglicherKünftler feine Kunft theuer foll zahlen laffen, und kein Geld ift zuviel dafür«. Eine ganz frühe flüchtige Skizze des Programmes wiederlautet kurz:

»Vom Mafs der Menfchen,

Vom Mafs der Pferde,

Vom Mafs der Gebäude,

Von Perfpectiva,

Vom Licht und Schatten,

Von Farben, wie man die der Natur gleicht«.

Das find ohne Zweifel die Gegenftände, welche Dürer in feinenBüchern behandeln wollte und zum Theile in der Mefskunft und Per-fpective auch wirklich behandelt hat. Ueber die Mafse der Gebäude,das ift über Architektur, finden fich auch fonft noch vereinzelte No-tizen in feinen Papieren. Was erübrigte, würde vornehmlich jene zweiBücher gefüllt haben, welche Dürer noch zu fchreiben beabfichtigte;nämlich das über Malerei und das über Pferdeproportion. Des erfte-ren gedenkt Dürer ausdrücklich in einem Briefe an Pirkheimer, derihm bei der Redaction und Drucklegung feiner Bücher behilflich war.Mit Bezug auf eine Faffung der Vorrede zur Proportionslehre fchreibtihm Dürer : »Darum fo meine Büchlein gar nichts anderes, als vonder Proportion lehren, wollte ich gern, dafs das, was von der Malereigefagt wird, gefpart würde bis in das Büchlein, das ich vom Malenfchreiben werde« '). Ein frühes Bruchftück über die Theorie der Fär-bung hat fich in einem der Londoner Handfchriftenbände erhalten;es war ohne Zweifel für das Büchlein vom Malen beftimmt 1 2 ). Dürer fpricht darin von der Modellierung mittelft Licht und Schatten; ereifert für die Fefthaltung der Localfarbe, namentlich in den Gewän-dern, und warnt vor dem Aufträge von zu dunklen Schatten und zuhellen Lichtern. Von dem Schattieren, oder wie es in feiner Spracheheifst: »Schattigen« eines weifsen Mantels, das er nachmal an feinemPaulus fo wunderbar bewährte, fagt er: »darum fo du einen weifsenMantel fchättigeft, mufs er nicht mit einer fo fchwarzen Farbe ge-fchättigt fein alä ein rother, denn es wäre unmöglich, dafs ein weifsesDing einen fo finftern Schatten gäbe, als das rothe« u. f. f. Auch

1) Dürers Briefe 62; Heller S. 999. j 2) Jahrb. f. Kunftw. I, 1819.

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