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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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517
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Ueber Malerei und Pferdeproportion.

5 V

Nachtheile der Wittwe mifsbrauchte. Als es nun hiefs, dafs er imVereine mit Beham auch ein Buch über Proportionen herausgeben wolle,verbot der Rath den Beiden am 22. Juli 1528 bei Strafe an Leib undGut, »das abgemachte Büchlein von der Proportion, das aus AlbrechtDürers Kunft und Büchern abhändig gemacht worden, in Druck aus-gehen zu laffen, fo lange bis das rechte Werk, fo Dürer vor feinemAbfterben gefertigt und im Druck ift, ausgeh und zu Licht gebrachtwerde«. Man nahm alfo auch hier ohne weiteres einen literarifchenDiebftahl an, während es fich vielleicht blofs um ein Concurrenz-unternehmen handelte. Umfonft auch fupplicierte Hans Sebald Beham gegen den Rathserlafs; der Rath liefs es am 26. Auguft bei demfrüheren Befcheid bleiben, »dafs er nichts von feinem gemachtenBuche drucken laffe, bis Dürers Buch vor im Druck gefertigt werdeund ausgehe« '). Der Rath gieng hiermit doch von der directen An-nahme eines Plagiates ab. Beham fügte fich. auch gehorfam demRathserlaffe und begnügte fich im Jahre . 1528 damit, fein Büchleinvon der »Proportion der Roffe« zu veröffentlichen, in welchem er fichgegen die ihm gemachten Vorwürfe deutlich genug verwahrt. Waser von der Proportion des menfchlichen Körpers beibringen wollte,unterdrückte er einftweilen, und das was er nachmals 1546 zu Frank­ furt in feinem Kunft- und Lehrbüchlein veröffentlichte, unterfcheidetfich erheblich von Dürers Vorgang. Dasfelbe gilt aber auch vonfeinen Pferdeproportionen. Wenn wir mit gutem Fuge die Refultatevon Dürers Meffungen von deffen »Reiter« abnehmen dürfen, fo flichtder fchwere deutfcheKarrengaul, denBeham conftruiert, nur zu fehr vondem Mufterpferde Dürers ab. Es gewinnt fomit den Anfchein, alswären die gelehrten Freunde und die Erben Dürers in der Wahrungfeines geiftigen Eigenthumes allzu eifrig gewefen und in der Ver-dächtigung feiner Schüler doch zu weit gegangen. Der Rath vonNürnberg aber hatte fowohl mit Beham, wie mit Jeronymus zufchlimme Erfahrungen gemacht, als dafs er nicht zum Mifstrauen gegendie beiden unruhigen Künftler geneigt gewefen wäre.

Wir müffen nach alledem annehmen, dafs Dürer von den beidenBüchern über das Malen und über die Proportion der Pferde wenig zuPapier gebracht hat, wenn er auch lange darüber nachgedacht habenmochte. Namentlich betreffs des erfteren ift dies fehr zu beklagen; denneine eingehende Schilderung feines Vorgehens und feiner Technik inder Malerei wäre für uns vielleicht von gröfserer Wichtigkeit gewefen

1) M. M. Mayer, A. Dürer S. io. Baader, j Barthel Beham , 13 ff. und 138.Beiträge I,. 10. A. Rotenberg, Sebald & I