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Canina und Donaldfon glauben zwar in dem genannten Relief den Capitolinifchen Tempel nichterkennen zu follen, während Brunn und Hittorf entgegengefetzter Anficht find. Der letztere weist dieUngeheuerlichkeiten in den Dimenfionen der Einzelheiten bei der Reconftruction Canina’s zurück undhält üe ebenfalls für unzuläffig 38 ).
Münzen aus der Zeit der Republik (80 v. Chr.) zeigen den Tempel 39 ) gleichfalls als einen Tetra-ftylos, während fpätere denfelben durchweg zu 6 Säulen in der Front angeben. (Vergl. Münzen derFamilie Petillia [43 v. Chr.], des Caligula [37—41 n. Chr.], des Veffiafian [69 n. Chr.].)
Zur Erklärung diefes Mangels an Uebereinftimmung ftellt Brunn die kaum haltbare Behauptungauf, dafs der Bildhauer des genannten Reliefs wegen Platzmangel nur 4 Säulen gemacht habe, währendHittorf den Tempel durch Umbauten in der Zeit vom Tetraftylos zum Hexaftylos heranwachfen läfft. Soerhalt nach ihm der urfprüngliclie Plan 4 Säulen in der Front, mit 89 Fufs langen Architraven (obgleichähnliche Abmeffungen gegen Canina als unhaltbar bezeichnet); ein zweiter, unter Sulla durch Zufügeneiner Säulenftellung an den Langfeiten vergröfserter wird zum Hexaftylos und fchliefslich ein dritter,»den Tempel in feiner gröfsten Pracht und Ausdehnung« darftellend, an der vorderen Seite noch eineSäulenreihe (alfo zufammen drei), wie es Dionyßos für den Sullanifchen fchon will. Diefer fagt ja, dafsf ier Tempel, den er befchreibt, auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut fei und fich vom früherennur durch die Schönheit des Materials und den Reichthum der Ornamente auszeichne, und Tacitus {Hiß. IV, 53) berichtet, dafs man den urfprünglichen Grundrifs niemals änderte.