35
kammer Aufftellung fanden. Diefer Aufftellung und dem Reichthum der Familieentfprechend, wurde dann auch der Sarkophag kündlerifch durch Sculpturen,Malereien und durch die Koftbarkeit feines Stoffes ausgezeichnet. Alabafter undMarmor verdrängten Kalk- und Sandftein und die gebrannte Waare. Die Marmorfärgein Cervetri haben nur kleine Fufs- und Kopfgefimfe und find an den Wandungenglatt und fchmucklos; den Deckel zieren ausgeftreckt liegende, lebensgrofse F'iguren.Die aus Alabafter angefertigten find bildhauerifch eben fo einfach; aber die glattenFlächen find meid mit koftbaren Malereien bedeckt, Tempera-Malereien auf denreinen Alabafter aufgetragen. (Vergl. den gefchilderten Sarkophag von Corneto imMufeum zu Florenz , S. 63.) Bei den aus Nenfro oder Terracotta hergeftelltenSärgen ift die Vorderwand mit Figuren-Reliefs oder Pilafter-Stellungen und Rofetten,der Deckel mit der liegenden, meift lebensgrofsen Portrait-Figur des Verdorbenengefchmückt.
Die Figuren find dets beim Banket liegend dargedellt, die Männer halb nackt,mit Ketten um den Nacken, oder mit langen, von Wolle umwundenen Brud-Guirlandenangethan, die Patera in der Hand, während de den linken Ellenbogen auf Kiffenoder Polder aufdützen. Die Frauen dützen fich, gleichfalls auf dem Polder liegend,auf den linken Ellenbogen und haben ein Ei, einen Granatapfel, einen Fächer odereinen Spiegel in der Rechten. Die aus Nenfro find meid feiner in der Ausführung,wie die aus Terracotta. Bunt bemalt waren alle. Sieben und zwanzig diefer grofsenSarkophage wurden feiner Zeit in einem einzigen Grabe bei Toscanella beifammengefunden.
Die Sarkophagform wurde, als das Verbrennen der Todten in Uebung kam,auch auf die Afchenkiden übertragen. Das für den Leichnam nöthige Mafs von1,8 bis 2,o m der erderen fchrumpfte bei den Afchenkiden auf 50 bis 70 cm zu-fammen. Sie find entweder fchlichte Kädchen mit glatten oder giebelförmigenDeckeln, oder fie ahmen Häuschen und Tempel nach (Fig. 77), oder fie geben dengetreuen Abklatfch des reichen, mit Figuren und Reliefs gefchmückten Sarko-phages wieder. An den Ecken der Kidchen bilden Pilader, Säulen irgend einerder drei Ordnungen oder Atlanten den Abfchlufs, zwifchen welchen dann derRelief-Schmuck angebracht id, der Abfchieds-Scenen, Jagden, Kämpfe, Scenenmythologifchen Inhaltes und aus den Homerifchen Dichtungen etc. dardellt.Statt diefer find auch Hippocampi , Greife, Chimären, gefiügelte Genien, einfacheOrnamente etc. zu finden. Bemalung und Vergoldung .find bei allen angewendetworden, gleichgiltig, ob fie aus Terracotta, Nenfro, Travertin oder Alabader her-gedellt waren.
Bei den auf dem Deckel liegenden Figuren id der Kopf und der Oberkörpermeid unverhältnifsmäfsig grofs ausgeführt (Fig. 78). Die Reliefs find vielfach gröfseren,berühmten Compofitionen nachgebildet oder entlehnt, und es kann diefer Umdandauch zur Altersbedimmung der Kiden benutzt werden. Die Gruppe des fiegreichenAlexander, der dem vom Pferde gefunkenen Krieger den Speer in den Leib rennt,mit dem fich zur Flucht wendenden, beforgt dreinfchauenden Perfer-König im Streit-wagen dem Mofaik der Alexander -Schlacht im Mnfeo nazionale zu Neapel oderdeffen Original entnommen — kehrt mannigfaltig wieder &6 ).
Die Afchenkide, auf ein Piededal gehoben, mit pladifchen Figuren an den
56 ) Coneftabile publicirt cliefe Scene als »Uccißone di Troilo Per vtano di Achille «, ohne fich an die gedachte Ver-w andtfchaft zu erinnern.
€9.
Afchenkiften.