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2 (1885) Die Baukunst der Etrusker / von Josef Durm ; Die Baukunst der Römer
Entstehung
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106
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Leitungen des Backftein-Rohbaues, nicht nur was technifche Vollendung des Mauer-werkes, fondern auch was Formbildung betrifft.

Rom , die Stadt, war in ältefter Zeit primitiv und befcheiden, die Strafsen ohne Pflafter, der Markt-platz mit Verkaufsbuden einfach, die Frivathäufer aus PIolz und Luftziegeln mit Strohdächern. DerSteinbau war nur für öffentliche Gebäude in Uebung und wurde dabei in ältefter Zeit Peperin von Albano,fpäter tiburtinifcher Travertin verwendet.

Bis zur Zeit des Krieges mit Pyrrhus waren Schindeldächer noch üblich, und noch 180 v. Chr.fpottete man am macedonifchen Hofe über die ärmliche, noch kein einheitliches Ganzes bildende Stadt.174 v. Chr. wurden die Strafsen im Inneren der Stadt mit Pflafter verfehen, und erft mit Sulla wurdendie Frivathäufer prächtig, fo dafs die alten Tempel einfach und ärmlich ausfahen.

Neben dem Quader- und Backfteingemäuer, die für bedeutende Bauten immerihr Recht behielten, trat noch das Bruchfteingemäuer und Gufsgemäuer mit Ver-blendung von Quadern, kleinen Schichtfteinen (Parements) , Platten oder Back-fteinen auf.

Der Billigkeit der Herftellung und der Erkenntnifs des Werthes des Kalk-mörtels als Baumaterial verdanken die letztgenannten Mauerwerksarten ihre grofseund ausgedehnte Anwendung. Ob in diefen eine fpecififch römifche Technik zuerkennen fei, mufs dahin geftellt bleiben; wahrfcheinlicher ift, dafs wir es mit eineraus dem Orient eingeführten zu thun haben.

Neben dem Maffivbau fpielte auch, vorwiegend im Nutzbau und bis in diefpätere Zeit, der Fachwerkbau eine nicht unbedeutende Rolle; auf eine höhere künft-lerifche Ausbildung deffelben, wie fie das fpätere Mittelalter oder die Renaiffancecultivirte, fcheint verzichtet worden zu fein. (Die Holz-Erkerbauten in Pompeji zeigen wenigftens nur die fchlichten, nothwendigen Conftructionsformen.)

Als genialfte Leiftung der römifchen Baukunft ift die monumentale Ueber-deckung von Innenräumen im grofsen Stil mittels Steingewölbe zu bezeichnen,welche eine vollftändige Umwälzung in der Geftaltung der erfteren zur Folge hatte.Die Leiftungen der Aegypter und Griechen der guten Zeit auf diefem Gebietelaffen fich auf ein fehr befcheidenes Mafs zurückführen; bedeutender find die derEtrusker, obfchon auch diefe fich noch in engen Grenzen bewegten. Was wollenall die Thor-, Brücken- und Grabgewölbe, was die gewölbten Durchgänge undDohlen, welche uns die genannten Völkerfchaften hinterlaffen haben, heifsen auchwenn wir bertickfichtigen, dafs 2 1 /2 Jahrtaufende früher von jenen das Principfchon erkannt war (Gewölbe der VI. Dynaftie in Abydos 27082510 v. Chr.)gegenüber der einzigen Leiftung, gegenüber dem Pantheon-Gewölbe! Bedurfte esbeim griechifchen Tempel fchon bei Lichtweiten der Cellen von 10 bis lim zurAbftützung der Decke zweier eingefügten Säulenreihen, fo fehen wir hier Nifchen-räume von 24,6 m Lichtweite {Caracalla -Thermen) mit Halbkuppeln, rechteckigeRäume von 24 bis 25 m {Maxenthis-Ba.fiYika) mit Tonnen-und Kreuzgewölben, poly-gonale und kreisrunde Räume mit Kuppelgewölben bis zu 43,5 m Spannweite über-deckt und zum Theile bis auf unfere Tage, alfo über 1800 Jahre, unverfehrt er-halten.

Möglich und fogar mehr als wahrfcheinlich, dafs auch für diefe Grofsconftructionenfchon Vorbilder aus der Alexandrinifchen oder Diadochen-Zeit in Kleinafien vor-handen waren 61 ) oder nach einer Aeufserung Caefar s über Alexandrien (Caefar debello Alex. I. Nam incendio fcre . . .) an jenem Orte; nichts defto weniger müffenwir dem römifchen Genius die höchfte Anerkennung dafür zollen, dafs er diefe

ei ) Vergl. Semper, G, Der Stil etc. Bd. I. Frankfurt 1860. S. 477479.