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2 (1885) Die Baukunst der Etrusker / von Josef Durm ; Die Baukunst der Römer
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112
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I 12

kamen auch die einfarbigen, griechifchen Sorten, als: pentelifche, hymettifche undparifche in Gebrauch; fpäter wurden alle farbigen und bunten Marmorarten ver-wendet, und es trieb mit diefen die Kaiferzeit den erftaunlichften Luxus 68 ).

Plinius , der zuweilen gern den Römer alten Schlages zu fpielen beliebt, tadeltdie Verwendung folch koftbarer Materialien in etwas gar zu philifterhafter Weife:»Dafs die Sterblichen dies zu keinem anderen Gebrauche oder zu keinem anderenVergnügen thun oder vielmehr leiden, als um zwifchen gefleckten Steinen zu liegen,und doch hebt das Dunkel der Nacht für die Hälfte des Lebens diefe Freude auf«( Plinius , Lib. XXXI, i). Er tadelt weiter, dafs man fchwieg, als Scaurtts in feinemHaufe Marmorfäulen aufftellte, »als folch gewaltige Mafien, an den Thongipfeln derGöttertempel vorüber, in das Haus eines Einzelnen gefchleift wurden « (Lib. XXXVI, 2).

Von fchwarzen Marmorarten wurde der lucullifche und lydifche fehr gefchätzt,von gelben der numidifche und kappadokifche, fo wie der Onyx oder gelb ge-flammte Alabafter (Kalk-Alabafter), von grünen der theffalifche und lakonifche, vonden bunten der karyftifche (Cipollin), jafifche und thebanifche.

Säulen, Balken und Mauerquader konnten in grofsen Dimenfionen aus diefemMateriale gewonnen werden. Die Kunft des Schleifens und Polirens verlieh denbunten Marmorforten erft den Reiz, der fie in der Folge fo gefucht machte. DieHaltbarkeit des Materiales hing von der forgfältigen Bearbeitung der Oberfläche ab.Das Schneiden des Gefteines mit Säge und Sand war bekannt; das Schneiden indünne Platten ift nach Plinius (Lib. XXXVI, 6) in Carien (351 v. Chr.) erfundenworden; der äthiopifche Sand wird von ihm als der belle zum Sägen empfohlen.

In Rom wurde die Bekleidung von Mauerwerk mit dünnen Marmorplattenwohl aus ökonomifchen Gründen ftark geübt, zuerft am Haufe des Mamurra, einesBeamten Jul. Caefar's. Schwellen aus numidifchem Marmor, im Blocke verwendet,liefs Lepidus (78 v. Chr.) in feinem Haufe legen.

Die Schönheit der Oberflächen der Steine im Freien ift auch im milderen Eid-lichen Klima von nicht zu langer Dauer, die Politur im Freien von verhältnifsmäfsigkurzem Beftand, da die farbigen und bunten Marmorforten bald erblinden, dieaus wenig homogenem Gefüge rafch an der Oberfläche verwittern und auch wenigtragfähig find. Die hellen, homogenen, weifs-gelblichen, weifs-grauen oder voll-ftändig weifsen Arten verdienen vor allen den Vorzug bei der Verwendung imFreien; die farbigen und bunten wandern beffer in das Innere der Bauten.

Grüne und rothe Porphyre, fo wie Serpentinfteine wurden neben dem buntenMarmor mit gleicher Liebe verwendet.

Die Sandfteine Toscanas, deren Gebrauch bei den etruskifchen Bauten (vergl.Art. 6, S. 4) angeführt wurde und deren fich auch die Römer bedienten (vergl.Theater und Cyklopen-Mauer bei Faefulae) werden bei den alten Schriftftellern kaumerwähnt.

Als harte Baufteine find Bafalt, Lava und Granit noch anzuführen. Thür-gewände, Stürze, Säulen, Kapitelle, Cippen, Pflafter- und Mühlfteine wurden auserfteren hergeftellt, aus letzterem die herrlichen, monolithen Säulenftämme gewonnen,welche durch die Art der Bearbeitung und ihre gewaltigen Abmeffungen uns in Er-ftaunen fetzen. (Vergl. Säulen der Vorhalle des Pantheon und die fog. Pompejus-Säule bei Alexandrien , letztere 20,5 m hoch bei 2,71 m unterem Durchmeffer.)

cs ) Vergl. die Aufzahlung folcher in: Gottgetreu , R. Die antiken Marmorarten. Zeitfchr. f. Iauw. 1883, S. 103132.