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2 (1885) Die Baukunst der Etrusker / von Josef Durm ; Die Baukunst der Römer
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* 35 -

Gufsmauernmit Backftein-blendung.

136.

Dreieckige

Blendziegel.

* 37 -

Mörtel

und

-Mörtelfugen.

138.

Fachwerk.

ausgetührte Mauern find verhältnifsmäfsig feiten. Sie kommen z. B. in Pompeji gar nicht vor. Trier dagegen befitzt wieder in feiner Bafilika einen ganz reinenBackfteinbau grofsen Stils, wie er von den Alpen bis zum Aetna nicht wieder ge-funden wird. Die Ausführung deffelben ift eine ausgezeichnete und die langenSchichten verlaufen, ohne jede Curvatur, in tadellofen Horizontalen.

In weitaus den meiften Fällen wurde das Material mit gleicher Sparfamkeitverwendet, wie die Quader beim Emplecton oder Diamicton. Die Kleinheit desBlendmateriales verlangte ein inneres Mörtelgemäuer aus möglichft kleinen Stücken,um ein ungleiches Setzen zu verhüten. Daffelbe wurde vielfach, namentlich beidicken Mauern, durch eingefchoffene, horizontal liegende Ziegelplatten abgebunden,indem z. B. die 1,90 m dicken Gufsmauern der Caracalla- Thermen aufsen mit Back-fteinen verblendet und in Abftänden von 1,30 m mit den grofsen Plattenziegeln durch-fchoffen find (VIII in Fig. 109).

Das Mörtelgufsgemäuer wurde wohl auch hier gleichzeitig mit dem Blend-mauerwerk aufgeführt und mit den Schichten deffelben ausgeebnet. Die Abfätze, indenen diefe Mauern in die Höhe getrieben worden find, blieben dabei ficher einigeTage nach ihrer Abgleichung ftehen, um ein gleichmäfsiges Erhärten und Setzender Maffen zu ermöglichen, ehe weiter gearbeitet wurde.

Die höchfte Oekonomie verräth die Anwendung von dreieckigen Blendziegeln,indem auf diefe Weife nur halb fo viel Waare gebraucht wurde. Sogar zur Her-ftellung von Säulenfchäften wurden fie verwendet, wobei die längfte Seite der Ziegelnach aufsen gekehrt und der Kern aus gewöhnlichen Ziegeln oder Ziegelbrockenhergeftellt (V, VI, VII in Fig. 109) wurde. Opus reticulatum aus Backfteinen iftfehr feiten und in Pompeji beifpielsweife nicht anzutreffen.

Zum Mauern wurde bald ein fehr feiner, bald ein grobfandiger Mörtel, auchfolcher mit Zufätzen von zerftofsenen Ziegeln verwendet, je nachdem Rohbauoder Blendbau gefchaffen werden follte. Dem entfprechend find auch die Fugen-ftärken. Bei der fog. Sedia del Diavolo, diefem technifch vollendeten Backftein-Rohbau, find die Fugen nur ‘j*™ dick bei einer Steinftärke von 0,o3 m ; an derGordians-VlWa. find fie 2 cm bei der nämlichen Steinftärke, an der Bafilika in Trier fo dick als die Steine felbft; an der Maxentius- Bafilika find fie 2 1 /2 cm , bei denBauten unterhalb des Palatin 1 bis an halbkreisförmigen Bogen, an den

Mauern der Caracalla- Thermen 2 x /2 bis 3 cin bei 0,03 Steinftärke, beim Tor deSchiavi fo dick als die Steine, am Kaiferpalaft in Trier 4 cm bei eben fo dickenSteinen.

Allgemein wäre etwa zu fagen: Bei mit Ziegeln verkleideten Gufsmauern iftder Mörtel derb und breiartig aufgetragen worden, und die Fugen find durchfchnitt-lich fo ftark, wie die Ziegel.

Vom Fachwerk, das allenthalben ausgeführt wurde, wünfcht Vitruv , dafs esnicht erfunden worden wäre; es mache Putzriffe und wirke bei Feuersbrünftensgleichfam wie Fackeln«. Es trage übrigens zum fchnelleren Fertigwerden einesBaues und zur Raumgewinnung bei, indem die Wände am dünnften hergeftelltwerden könnten. Tadel und Lob find hier gerecht. Zu feiner Anwendung zwingeübrigens auch der Umftand, wenn man in einem oberen Gefchoffe eine Wand ein-ziehen wolle, der im Untergefchoffe keine entfpräche. Den Unterbau für F"achwerkwill er fo hoch gehoben wiffen, dafs das Holzwerk mit dem Boden nicht in Be-rührung komme ( Vitruv , Lib. II, 8).