grabungen in Rom am Fufse des Palatin feft geftellt in dem Atrium Veßae desHaufes der Veftalinnen, dem Wohnfitze der am meiften verehrten und würdigftenrömifchen Priefterinnen, deffen Plan wir in Fig. 292 208 ) wiedergeben. Nahe demTempel erhob fich das umfangreiche Gebäude; wir erkennen das grofse, von Hallenumgebene, oblonge Atrium , ein Tablinum, verfchieden grofse Gelaffe, Treppen undnach der Strafse, aufser Verbindung mit dem Haufe, Verkaufsbuden.
Im Verhältnifs zu der enorm grofsen Zahl und Grofse, zu der Solidität undWucht der Ausführung der römifchen Prachtbauten ift nur Weniges auf uns ge-kommen; Manches in Rom mögen noch in Trümmern der Erdboden und die Schutt-hügel bergen; das Meifte ift unwiederbringlich verloren gegangen durch die »dämo-nifche Zerftörungskraft des mittelalterlichen Roms«, das feine Kalköfen mit antikemMarmor fpeiste; Vieles haben aber auch die chriftlichen Bauwerke Verfehlungen.Mancher römifche Bau verdankt aber auch wieder umgekehrt feine Erhaltung derUmwandlung in eine Kirche. Bis in das XII. Jahrhundert plünderte man Rom derSäulen wegen 209 ). Seine Marmorbauten waren durch das ganze Mittelalter diebeliebteften und bequemften Steinbrüche. Die römifche Technik von Gufs- undBackfteingemäuer mit Marmorblendung begünftigte den Raub.
Wenn vom Sonnentempel Aurelian s nur die bekannten zwei Riefenfragmenteaus weifsem Marmor übrig bleiben konnten, wenn vom Tempel der Roma undVenus nur Bruchftücke von Unterbauten und einem Theile der Umfaffungsmauernftehen geblieben find, von den Säulen aber nur wenige Strünke und das Gebälkebis auf ein einziges Stück verfchwinden konnte; fo kann man fich eine Vorftellungmachen von der Grofse und dem Umfange des von Menfchenhand vollzogenen Zer-ftörungswerkes.
Manche der Ruinen wurden für andere Zwecke hergerichtet, find verbaut oderdurch fpätere Reftaurationen und Umbauten verdorben worden; manche aber, dienoch in fragwürdigen Reften erhalten find, zeigen Spuren von Wiederherftellungenaus der Zeit des tiefften Verfalles der römifchen Kunft. So flammt wohl die un-gehörige Aufeinanderfolge der Säulentrommeln beim Saturn-Tempel am ForumRomanum aus einer Reflauration im III. oder IV. Jahrhundert u. Z.
Die äufserfte Säule links hat einen gleich grofsen oberen und unteren Durchmeffer, weil bei jenerReflauration ein Stück des unteren Endes der Säule auf das obere geftiilpt wurde. Die Marmor-Bafen findunter fich ungleich; attifche und korinthifche mit und ohne Plinthe wechfeln ab und haben-nicht einmaldie gleiche Höhe. Die Kapitelle gehören wohl auch diefem fpäteren Aufbau an 210 ).
Auch beim Pantheon hatten wir Beiwerk und Raub zu verzeichnen. Flick-arbeiten aus alter Zeit find auch in Pompeji u. a. O. keine Seltenheit. Alles hierherGehörige anzuführen, würde unferen Rahmen weit überfchreiten; es genügen hierder Hinweis und die wenigen Beifpiele.
•208) Nach: Notizie degli Scavi di Antichiia 1883, Tav. XXII.
209) Vergl. in: Burckhardt a. a. O. die Fufsnoten auf S. 27 und S. 10.21 °) Vergl. Reber a. a. O., S. 92 — ferner: Burckhardt a. a. 0 ., S. 16.