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1 (1860) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst / von Gottfried Semper
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Einleitung.

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ich glaube, in seiner vollen Wichtigkeit und Bedeutung noch nichtrichtig erkannt worden ist. Es darf hier, natürlich vorerst nurandeutungsweise, an den merkwürdigen Pfahlbau der hinnen anf i p n Ufern der Schweizer Seen, an die räthselhaften Steinkonstruc-rionen auf den Heiden des westlichen Europa (vielleicht irrthüm-lich den Kelten zugeschrieben), an die atriale Einrichtung derskandinavischen Festhallen, an die mit Teppichen und farbigenReliefs geschmückten Tempel der Obotriten zu Rhetra am Tollenzerkee und den nicht minder wunderbaren Tempelbau zu Upsala, so"ie an die buntfarbig verzierten und mit reichem Holzschnitzwerkeausgestatteten Rhätischen Hütten erinnert werden. Desgleichenei 'wahne ich jenes an irischen Schmucksachen sowie an skandina-vischen Holzschnitzwerken fast in gleicher Weise hervortretendeseltsame Prinzip der Ornamentation, das in seinem Schlangenge-V'irre gleichsam urweltlich und finster chaotisch erscheint, in demZeitalter Karls des Grossen mit den antiken, d. h. gräkoitalischenornamentalen Formen in Conflict gerath und sich mit ihnen zuneuen Verbindungen einigt.

So geben sich die anscheinend ursprünglichsten socialen For-men als durch Naturereignisse oder politische Katastrophen vonfrüher bestandenen grossen Kulturstöcken abgerissene Bruchstücke,gleichsam als erratische Blöcke zu erkennen und umgekehrt, zeigtsich irgendwo auf dem für uns übersehbaren Felde der Kultur-geschichte- das Phänomen des Zusammcntrctens neuer socialerformen, so bestehen sie aus Bruchstücken der bezeichneten Art,

die

lr gend ein Naturereigniss, am häutigsten aber das Bedürfnis,s

cer Verteidigung und gemeinsam gehegte Gier nach des reichen^ohbarn Eigenthum zusammenkittete und deren jedes seinerseits'eher ein Conglomorat oder eine Fusion der heterogensten Ucber-ei bsel noch älterer und lange zerstörter Formationen der Ge-sellschaft ist.

Ohne diese Voraussetzung gewisser in dem Bewusstsein der0 esten Stämme fortlebender Reminiscenzen aus früherer staat-1C Cr Existenz würde das urplötzliche Entstehen neuer Gesell-0 aftsformen, wie sie die Geschichte aufweist, gar nicht erklär-llc h sein.

^enn diess sich so verhält, und alles spricht dafür, so ist esvorgeblich, auf dom Boden der alten Welt die Gesellschaft inren eisten Bildungsprocessen belauschen zu wollen, unmöglich die