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1 (1860) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst / von Gottfried Semper
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Erstes Hauptstück.

Baukunst, die den Ausdruck und das Gehäuse der Gesellschafts-organismen erfindet, bis zu ihren ersten Anfängen zu verfolgen.So ergiebt sich z. B. die scheinbar ursprünglichste Kunst, dieägyptische, bei näherer Prüfung als mindestens sekundär und inder Reihe der Entwicklungsgrade auf diejenigen folgend, die demwirklichen Alter ihrer Entstehung nach um viele tausend Jahrejünger sind und bei weitem verwickeltere Combinationen darbie-ten, als die ägyptische Kunst, wie z. B. die assyrische, derenWesen und grosso kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutungetwas deutlicher zu erkennen uns erst seit den Entdeckungen derneuesten Zeit vergönnt ist.

Das Verfolgen dieses schwierigen Themas wird in dem zwei-ten Theile dieses Buches nothwendig werden, hier seien nurzuvörderst bezüglich auf dasselbe zwei Thesen aufgestellt, derenDurchführung in dem zunächst folgenden versucht werden soll.

1 j Es treten dem aufmerksamen Beobachter überall, wo er aufmonumentale Spuren erstorbener Gesellschaftsorganismen trifft,gewisse Grundformen oder Typen der Kunst entgegen, die sichhier klar und unverwischt, dort bereits in sekundärer und tertiärerUmbildung und getrübt zeigen, immer aber als dieselben, die so-mit älter sind als alle Gesellschaftsorganismen, von welchen sichmonumentale Spuren erhalten oder von denen wir sonst, in Be-ziehung auf ihnen eigen ungehörige Kunst, Nachricht haben.

2) Diese Typen sind den verschiedenen technischen Künstenentlehnt, wie sie in primitivster Handhabung oder selbst in vor-gerückter Entwicklung als die ursprünglichsten Beschützerinnender heiligen Heerdflamme (des urältesten Sinnbildes der Gesell-schaft und dos Menschenthumes im Allgemeinen) gedacht wurden.Sie erhielten zwar sehr frühzeitig symbolische Bedeutung (theilsin hieratisch tendentiösem, theils in ästhetisch formellem Sinne),wurden aber zugleich in ihrer ursprünglichsten technisch-räum-lichen Benutzung niemals ganz abgesehafft, sondern fuhren auchin diesem Sinne fort, bei den späteren Umbildungen der architec-tonischeu Formen als wichtige Agentien nachzuwirken.

Ohne die Berücksichtigung dieses ältesten Einflusses der tech-nischen Künste auf die Entstehung der althergebrachten Formenund Typen in der Baukunst ist kein richtiges Eingehen in dasVerständniss dieser letzteren möglich. So wie die Sprachwurzelnihre Geltung immer behaupten und bei allen späteren Umgestal-