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Viertes Hauptstück.
Netzwerk von Gewölbribben aufgelöst wird, die zugleich senk-recht und horizontal auf nur einzelne Punkte der Mauer wirken,verlangt das Auge, sowie die Statik, sofort Gegenstützen.
Der gothische Baustil hat die eine Hälfte des Problemes, diemechanische nämlich, durch die von Aussen gegen die Mauer ge-stützten Strebepfeiler und Schwibbögen nur zu rücksichtslos undhausbacken gelöst. Dagegen ist er die Lösung der ästhetischenHälfte desselben schuldig geblieben; er lässt nicht nur das Augeunbefriedigt, dort wo der Seitenschub der Gewölbribben wahr-nehmbar wird, nämlich in dem Innern der überwölbten Räume,wo die äusseren Gegenstreben nicht sichtbar sind und jedes un-befangene Auge sich durch deren Abwesenheit und das einseitigeWirken der Gewölbribben nach Aussen gegen einen Pfeiler dessenStärke innerlich ungesehen bleibt, der scheinbar zu schwach ist»geängstigt fühlen muss; er verletzt das ästhetische Gefühl auchäusserlich durch übermächtiges rein technisches Pfeiler- undSchwibbogenwerk, das gegen etwas wirkt was äusserlich gai’nicht gesehen wird und in formaler Beziehung daher auch gai*nicht existirt. Denn das ästhetische Auge trägt zwar räumlicheEindrücke mit Leichtigkeit über von früher zu nachher Gesehenemaber statische Ergänzungen des Gesammteindruckes durch nochnicht oder nicht mehr gesehenes Gegenwirken von Massen sindnicht statthaft. Diess erklärt sich ganz einfach dadurch, dass einhalbes statisches System nichts Ganzes für sich bildet und eigent-lich gar nicht existenzfähig ist, dass dagegen ein Raum, z. B. einVestibulum, das mit dem Peristyl des Hofes, sodann mit der nach-her zu ersteigenden Treppe, der oberen Loggia und dem Vor-saale, in welchen diese führt, eine harmonisch wirkende Gesam®t'heit bildet, auch für sich allein ein abgeschlossenes Ganzes ist-Viel schöner ist diese Aufgabe z. B. gelöst in den grossartigen ®bKreuzgewölben überspannten Hauptsälen der römischen Thermen»wo das Widerlager und zugleich die senkrechte Stütze der Wölbdecke durch vor die inneren Wände gestellte Säulen, deren Ge-bälk in die Mauer eingreift und den Seitenschub aufnimmt, zl1 'gleich mechanisch und ästhetisch befriedigend vertreten sind-Durch diese Säulenstützen in dem Inneren der Räume für di 0Decke wird zugleich dem alten indogermanischen Grundsatz 0 »dass die Mauer nicht tragen sondern nur umschliessen soll, Genüge gethan, und letztere in dieser Beziehung von dem Gewölb 0