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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Illusion für Augenblicke der Wirklichkeit entrissen wird, so ist diess Natur-genuss, der vom Kunstgenuss eigentlich prinzipiell nicht verschieden ist, so wiedenn auch das Naturschöne (da es erst entsteht durch die Empfänglichkeit undselbst durch die vervollständigende Phantasie des Beschauers) dem allgemeinenKunstschönen als untere Kategorie zufällt.

Aber dieser künstlerische Genuss des Naturschönen ist keineswegs dienaiveste und ursprünglichste Manifestation des Kunsttriebes, vielmehr ist der Sinndafür beim einfachen Naturmenschen unentwickelt, während es ihn schon erfreut,das Gesetz der bildnerischen Natur, wie es in der Realität durch die Regel-mässigkeit periodischer Raumes- und Zeitfolgen hindurchblickt, im Kranze, in derPerlenschnur, im Schnörkel, im Reigentänze, in den rhythmischen Lauten, womitder Reigentanz begleitet wird, im Takte des Ruders, u. s. w. wiederzufmden.Diesen Anfängen sind die Musik und die Baukunst entwachsen, die beidenhöchsten rein kosmischen (nicht imitativen) Künste, deren legislatorischen Rück-halt keine andre Kunst entbehren kann.

Aber zu jenen allgemeinen Naturphänomenen mit ihren erhabenen Schrecken,mit ihren sinnverwirrenden Reizen, mit ihrer unfassbaren Gesetzlichkeit tretennoch thätigere Momente, die unser Gemüth spannen und es für die Illusionender Kunst empfänglich machen.

Ein endloser Kampf, ein furchtbares Gesetz des Stärkeren, wonach einerden andern frisst, um wieder gefressen zu werden, geht zwar durch die ge-sammte Natur hindurch, manifestirt sich aber in seiner ganzen Grausamkeit undHärte in der uns zunächst stehenden Thierwelt, bildet den Inhalt unserer eigenenirdischen Existenz und denjenigen der Geschichte. Diesem endlosen Vertilgungs-processe durch das Leben fehlt der Abschluss und die Tendenz, das Gemüth,wechselnd zwischen Hass und Mitleid, betrübt sich über den trostlosen Satz:Das Einzelne ist geschaffen nur um dem Ganzen als Nahrung zudienen.

Dazu tritt das Zufällige, Ungereimte, Absurde, das uns auf jedem Schritteder irdischen Bahn begegnet, und dem Gesetze, das wir belauscht zu habenglaubten, schnöde in das Antlitz schlägt. Dann die tiefe unergründliche sturm-bewegte eigne Gemüthswelt, Chöre der Leidenschaft im Kampfe unter sich undmit Schicksal, Zufall, Sitte, Gesetz; Phantasie im Gegensatz der Realität, Narrheitim Widerspruche mit sich selbst und dem All, nichts als Zerwürfnisse, denenuns die Künste, indem sie diese Kämpfe und Konflikte abschliessen, im engenRahmen fassen und als Momente endlicher Sühne benützen, für Augenblickeentreissen. Aus diesen Stimmungen gingen die lyrisch-subjektiven und diedramatischen Kunstmanifestationen hervor . 1

1 Die Kunst hat somit gleiches Ziel mit der Religion, nämlich Enthebung ausden Unvollkommenheiten des Daseins, Vergessen der irdischen Leiden und Kämpfe imHinblick auf Vollkommenes. Aber beide bilden Gegensätze darin, dass der Glaubedurch das Mysterium des Wunders sich in das Unbegreifliche, mithin Gestaltlose, ver-