Textile Kunst. Technisch-Historisches, Einleitung.
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holungen zu vermeiden, wird hier auf dasjenige verwiesen, was dieVorrede über den ästhetischen Begriff regelmässig und dessen Be-ziehungen zu Proportionalität und Symmetrie enthält. Dem Rahmenschliessen sich (jedoch nur an zweien seiner Seiten, die das Oben undUnten bezeichnen) die gleichfalls bereits erwähnten Schlussformen derDecke an, die obern Bekrönungsfalbeln und die untern, die Schwerkraftversinnlichenden ausgezackten oder betroddelten Vielschlitze.
Diese letztem dienen auch als Ueberhänge sehr häufig zugleichzu der reichern Symbolik des obern Abschlusses der Decke u. dergl.,jedoch niemals stilgerecht ohne Hinzufügung der endlich bekrönendenaufrechtstehenden Falbel als Aufsatz oder irgend eines anderen ab-schliessenden Symboles.
Viertes Hauptstück. Textile Kunst.
B. Technisch-Historisches.
§• 23 .
Einleitung.
Es ist gewiss eine der schwierigsten Aufgaben, die textilen Künsteauf ihrem Entwickelungsgange technologisch-historisch zu verfolgen, selbstWenn man sich darauf beschränkt, sie nur in ihrem nähern und entfern-tem Verhalten zu der Baukunst zu berücksichtigen.
Zuerst ist kein Stoff vergänglicher als das Gewebe; — dennochwürden wir noch eine ziemliche Auswahl alter Stoffe, namentlich alterTeppiche besitzen, wäre der Geist des Sammelns, der die Erhaltungoder doch die Zutageförderung so vieler Alterthiimer der verschiedenenandern Zweige der Technik vermittelte, nicht zu spät darauf verfallen,den textilen Künsten sich zuzuwenden. Wir besitzen schon lange schöngeordnete und ziemlich vollständige Sammlungen keramischer Produkte,durch welche es möglich wurde, eine technisch-historische Uebersichtdieser Kunst zu begründen, welches Verdienst vorzüglich den beidenSchöpfern des musee ceramique zu Sevres , den Herren Brongniart undRiocreux zukommt. Auch für Metallarbeiten, Goldschmiedarbeiten, Möbelund dergleichen gibt es fast in allen Hauptstädten Europa’s lehrreiche