XXIX
Diese Intersekanz ist der romantischen Stimmung fördersam, mehr malerisch-musikalisch wirkend, während die einfache und die alternirende Eurhythmieder plastischen Schöne entsprechen.
Wegen der mehr malerischen als plastischen Wirkung der Intersekanz istsie besonders in polychromer Darstellung und als Flächendekoration zu empfehlen,für Teppiche, keramische Werke, eingelegte Metall- und Holzarbeiten und dergl.
Noch höhere Grade eurhythmischer Glieder mögen nur dann angebrachtsein, wenn eine gewisse reiche Konfusion oder ein konfuser Reichthum hervor-treten soll; z. B. auf Vorhängen, Stickereien, Kleiderstoffen, Shawls und dergl.:überhaupt in Fällen, wo die streng architektonische Eurhythmie zu trocken undsteif erscheinen müsste.
Der Anfang des Hauptstückes über textile Künste gibt Näheres über dieberührten und damit in Verbindung stehenden Punkte. Vergleiche auch die dortgegebenen Holzschnitte und sämmtliche zum ersten Bande gehörige Tondrücke,worauf Beispiele aller Modifikationen eurhythmischer Reihung befindlich sind.
Symmetrie.
Nicht mit der Proportion, sondern mit der Symmetrie steht die Eurhythmie in sehr naher Begriffsverwandtschaft, da strenge genommen das Symmetrischenur ein Stück, ein Bruchtheil, eines eurhythmischen Ganzen, das in sich zurück-kehrt, ist. Man denke sich die Erde durchschnitten, so bildet die Durchschnitts-fläche eine kreisförmige Scheibe, auf deren äusserem Rande sich die Gegenständeder Erdoberfläche, in radialer Gestaltung zum Mittelpunkte der Scheibe gerichtet,reihen. Ein Stück dieses Erdmeridians, den der architektonische Sinn sich eurhyth-misch gegliedert vorstellt, ist eine symmetrische Reihe, die nur desshalbuns befriedigt, weil wir in ihr einen derartigen Bezug auf das Allgemeine erkennen,der dem Einzelnerscheinen statischen Halt gestattet. Symmetrische Formen habendemgemäss nicht wie jene regelmässigen Krystallbildungen, die sich von dem Allvollständig abschliessen und wahre Mikrokosmen sind, in sich genügenden Be-stand, so dass sich die Möglichkeit ihres Seins auch ausser der Welt in ihrerForm ausspräche. Sie haben daher nicht die Art formaler Vollkommenheit nie-derer Ordnung, die den regelmässig geschlossenen Figuren eigen ist; aber sie sinddiejenigen, in welche die organische Natur sich kleidet, indem sie dabei einhöheres Gesetz des einheitlichen Zusammenwirkens befolgt. Zum Verständniss dessymmetrischen Gesetzes genügen daher nicht mehr jene zierlich starren Sclmee-krystalle, die für das rhythmische Gesetz und dessen Zusammenhang mit demersteren so lehrreich sind; — vielmehr tritt die Symmetrie in wahrer Bedeutungund grösster Mannigfaltigkeit, in Verbindung mit der Proportionalität, zuerst beiden Pflanzengebilden hervor.
Dabei ist merkwürdig, dass Beginn und Ende des Pflanzenlebens wieder