XLII
durch hervorragend proportionale Entfaltung, bald endlich dadurch, dass dieRichtung besonderen Ausdruck findet, die Idee in deutlich sprechender Weise sichdurch die Erscheinung kund gibt.
So ist bei gewissen Bauwerken die eurhythmische Abgeschlossenheit derKrystalle und andrer vollkommen regelmässiger Formen der Natur wiederzufinden.
Beispiele die Grabkegel (tumuli), die ägyptischen Pyramiden und ähnlicheDenkmäler; sie sind allseitig entwickelt, ohne eigentliche proportionale oderdirektioneile Gliederung, und gerade desshalb, als vollständig für sich bestehendeMikrokosmen, als Symbole des Alls, das nichts ausser sich kennt, auch als Denk-mäler weltberühmter und weltbeherrschender Völkerführer, sehr ausdrucksvoll.
Bei anderen ebenfalls zu der Klasse der Denkmäler gehörigen Werken derBaukunst, die schon ein Vorn und Hinten haben, herrscht die Symmetrie vor;andere sind wieder überwiegend proportional, wie die hohen Kuppeln, nochentschiedener die Thürme, bei denen Symmetrie und Richtung von der Proportio-nalität der emporsteigenden Formen iibertönt werden. Sie sind daher als Symbolehimmelstrebender Tendenz bedeutsam. Gleicherweise zeigt sich an vielen Werkender technischen Künste und der Architektur die direktioneile Gliederungals das hervorragende Prinzip. Beispiel das Schiff, das wegen dieses bewegungs-vollen Charakters besonderer und hoher künstlerischer Ausbildung fähig ist, wasauch von den Alten, so wie im Mittelalter, und in der Zeit der Wiedergeburtder Künste, vollständig erkannt wurde. Das Gleiche gilt von dem befittigtenStreitwagen.
Selbst in der monumentalen Baukunst beherrscht mitunter das genanntedirektioneile Prinzip die anderen Bedingungen der schönen und geschlossenenForm. Beispiele der ägyptische Prozessionstempel und die ihm hierin ähnlicherömisch-katholische Basilika des XIII. Jahrhunderts.
Aber in dem griechischen Tempel tritt die Zweckeinheit, analog wie beidem Menschen, bei vollstem Reichthum und grösster Freiheit in reinster Harmoniehervor! Athene’s krönendes Giebelfeld ist, wie das Antlitz der Göttin, zugleichdie Dominante der Proportionalität, der Inbegriff der Symmetrie und der Reflektordes opfernd nahenden Festzuges.