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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Drittes Hauptstück.

beizen nicht auf die gebleichte Baumwolle oder auf die gebleichteSeide applicirt, sondern die schöne Naturfarbe beider Stoffe als ver-mittelnden und verbindenden Grundton aller Farben benützt und durchdieses einfache Mittel sich es erleichtert; die lebhaftesten Farbenkontrasteharmonisch zu verbinden. Hierin besteht auch zum Theil das Geheim-niss der tybetanischen Shawls mit ihrer, durch das mattglänzende Gelb-weiss der Kaschmirwolle gebrochenen und verbundenen Farbenpracht.(Vergleiche hierüber den später folgenden Artikel Färberei.)

Für das Verstehen der antiken Kunst und, wohl gemerkt, auchfür die wahre Praxis der Gegenwart, ist das genannte Prinzip, welchesdie neueste europäische Industrie überall (z. B. zu ihrem grössten Nach-theilo auch in der Porzellanmanufaktur) verlassen hat, von grösster Be-deutung. Genau genommen, befolgt sie dasselbe noch immer, aber ohnees zu wissen und gleichsam auf Umwegen, da zum Beispiel der Oclmalor,in dessen erhabenste Gebiete sie hineinzuwirken keinen Anstand mehrnimmt, bei dem „Aufsetzen“ seiner Palette demselben Prinzipe huldigt,sowie auch die der Aquarellmalerei eigentümliche Zauberwirkung haupt-sächlich nur aus ihm hervorgeht. Gut ist es indessen, zu wissen, wasman thut, weil dann das Gewollte oft auf einfacherem Wege besser er-reicht werden kann. Die Industrie-Chemiker, die in der Leitung dergrossen Kunstmanufakturanstalten keine Kontrole über sich dulden, setzenall’ ihren Ehrgeiz darein, chemisch reine Farben zu produciren, und sinddie grössten Hindernisse einer Wiederkehr zu besseren naturgemässenGrundsätzen des Kolorits. (Siehe weiter unten Artikel Färberei.)

§• 15 .

Verschiedene Methoden der. Farbenzusammenstellung.

Ich glaube, es sind nur zwei Methoden denkbar, wonach Kühe undHarmonie in den Farben (sowie in den räumlichen Verbindungen) erreichtwird. Die erste beruht auf dem Prinzipe der gleichmässigen Ver-theilung, die andere auf dem der Subordination oder der Autorität.

Nach dem ersteren wird durch Juxtaposition vieler gleich intensivwirkender Farben- oder Formenelemente eine Art von üppiger undflorirter Monotonie hervorgebracht, bei der das Auge nichts vermisst,aber auch nichts Sonderliches findet.

Diese Ruhe als Resultat raschester Vibration, diese Einförmigkeitdes Reichthumes ist das eigentlich orientalische Prinzip der Ornamentation