56
Drittes Hauptstück.
sagen am Rande, in dem geschlossenen wurzelt es in dem Mittelpunktedes Feldes. Für beide Fälle passend und benutzbar sind natürlich Ro-setten, Kränze oder andere ornamentale Formen, denen man gleichsamauf den Scheitel sieht, von denen schon oben die Rede war und die hiernicht besonders berücksichtigt zu werden brauchen, da sie für dasjenige,was demonstrirt wird, sich indifferent verhalten. Es ist nicht schwer,alle fraglichen Fälle, die der Grundidee nach zu der einen oder derandern Kategorie führen müssen, nach der Analogie der hier gewähltenBeispiele zu entscheiden.
Oft ist die Mitte, statt der Rosette, durch ein Piedestal, ein Kan-delaber, eine Yase oder sonstiges Geräthe, das in dem Grundplane rich-tungslos ist, verziert, — ganz stilgerecht, wogegen historiirte Darstellungen,z. B. die Schale des Sosus mit den trinkenden Tauben, die Tritonen desalten Mosaikbodens in dem Pronaos zu Olympia (siehe Holzschnitte aufS. 57 u. 58), die Alexanderschlacht aus Pompei, nur dort stilgerechteAnwendung finden können, wo ein Raum vorliegt, der gleichsam einMittel zwischen dem Janusbogen und dem geschlossenen Innern bildet,ein Raum, der zu einem anderen Raume oder zu einem Mittelpunktearchitektonischer Wirkung einseitig hinführt, der aber in Beziehung aufRechts und Links neutral ist; nur in diesem Falle, oder doch unter ähn-lichen räumlichen Verhältnissen, ist ein solches historiirtes Feld auf demFussboden einigermassen stilgerecht, und es muss sich dann selbstver-ständlich das Bild dem Eintretenden aufrecht zeigen, die Köpfe müssendem Innern, die Füsse dem Eingänge zugekehrt sein. Im Allgemeinenist zu wiederholen, dass Fussbodenbilder die strenge Kritik des gutenGeschmackes nicht aushalten können und dass, wenn einmal derartigeVerzierungen beliebt werden, sie nicht in der Mitte, sondern lieber inden Zwischenfeldern angebracht werden sollten, wo sie dann zu einem inder Mitte aufgestellten Kunstwerke oder sonstigem Male in Beziehungstehen und der Richtung von Aussen nach Innen koncentrisch zu diesemfolgen müssen. Ich denke mir, dass die meisten oder wenigstens dieschönsten der historiirten Fussböden, die sich erhielten, in diesem Sinneaufgefasst waren, dass sie durchaus die Bestimmung nicht hatten, betretenzu werden, sondern dass sie, um das Mal herum, den wohl meistens nochausserdem mit Schranken umgebenen Temenos desselben bezeichnensollten.
Das Gesagte findet seine volle Bestätigung und Erläuterung in dendrei im Holzschnitte dargestellten Fussböden, welche diesem Paragraphenzur Illustration beigefügt wurden. Das am Eingänge dieses Paragraphen