Textile Kunst. Stoffe. Seide.
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des XII. Jahrhunderts), stattet über diese königl. Manufaktur zu Palermo einen ausführlichen und interessanten Bericht ab, woraus hervorgeht, dassdas „Hötel de Tiraz“ aus vier Hauptateliers bestand, nämlich 1) demAtelier für einfache Gewebe, wie Tafft, Levantin, Gros de Naples u. dergl.,die amita, dimita und trimita genannt werden; 2) dem Atelier für Sammt(examita) und Atlas (diarhodon); 3) dem Atelier für geblümte Zeuge(was wir Damast nennen) und gemusterte (mit Kreisen und sonstigenMotiven übersäte) Stoffe (exanthemata et circulorum varietatibus insignita);4) dem Atelier für Goldstoffe, Buntgewebe und Stickereien. Diesesletztere war natürlich dasjenige, aus welchem die eigentlichen Kunst-zeuge, mit Edelsteinen und Perlen bestickt, fertig hervorgingen. Mansieht also, dass eigentlich keine historiirten Gewebe gemacht wurden unddass dieses höhere Gebiet der Seidenmanufaktur der Kunst der Nadelüberlassen blieb.
Höchst wahrscheinlich werden sich alle Werke höherer textilerKunst, die aus dieser älteren Zeit stammen, bei genauer Prüfung alsStickwerk, entweder als opus Phrygium oder als opus plumarium 1 aus-weisen, wie z. B. die berühmte Dalmatica des kaiserlichen Krönungs-ornates mit der, seltsame Thiergestalten enthaltenden, breiten Einfassungund die zu ihr gehörende, mehr im antiken Stile mit Palmetten einfachumsäumte, kaiserliche Alba, die wahrscheinlich beide aus dem Hötel Tirazzu Palermo hervorgingen. Ebenso möchte ich glauben, dass der zu Metzaufbewahrte Krönungsmantel der Hauptsache nach gestickt sei, wie diesessicher bei dem sehr merkwürdigen, gewiss aus der Zeit vor dem XI. Jahr-hundert stammenden Seidengesticke auf gemustertem Linnenzeuge derFall ist, welches Herr v. Hefner in dem Werke: Trachten des christlichenMittelalters, veröffentlicht und beschrieben hat und das einen Theil desHinterfutters einer, aus dem XIII. Jahrh. stammenden, Fahne ausmacht,die zu Bamberg auf bewahrt wird. Wahrscheinlich ist diese schöne Stickereider Best einer Krönungsinfula oder eines anderen schärpenähnlichen Ge-wandes, das zu festlichen oder liturgischen Zwecken bestimmt war. Ineiniger Beziehung bildet es Pendant zu der oben beschriebenen Schärpeoder dem Schleier der hl. Jungfrau Maria zu Chartres , welches Kleidungs-stück gleichfalls aus Seidenstickerei auf gemustertem feinem Linnenstoffebesteht.
Kehren wir von diesem Abstecher zu den eigenthümlichen neu-babylonischen Seidenstoffen zurück, deren gemeinsames Kennzeichen jene
1 Ueber diesen Unterschied siehe unter Stickerei.