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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Prozesse. Geflecht.

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gemischter Weberei, Zwirnerei und Flechtung. Das Dessin der meistenSorten wird durch ein Zusammengreifen der Fäden hervorgebracht, wiees beim Weben der Leinwand in Anwendung kommt (Fig. 3); derGrund dagegen wird durch Flechtung der Fäden erzeugt, oder bei an-deren Sorten durch einfaches Zwirnen. (Siehe Figuren 4 und 5.)

Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6.

Ausserdem kommen noch Variationen zwischen diesen Procedurenvor, die aber im Wesentlichen das Charakteristische der geklöppeltenSpitzen bilden.

Die älteste bekannte Sorte von Spitzen ist auf grober Leinwandausgearbeitet. Man zog Fäden aus und füllte die Lücken mit Stichengleich Fig. 1. Die Leinenfäden sind dabei mit dem Stiche Fig. 2 über-sponnen. Diese Methode bringt stets geometrische Muster hervor. l Manfindet sie angewandt zu Nähten und Bordüren an den ältesten Altardeckenund anderen kirchlichen Paramenten.

Man führte die ältesten Points auf einem Pergamentblatte aus,worauf die Muster gezeichnet und die leitenden Fäden aufgenäht waren;wenn die Arbeit fertig war, wurde das Pergamentblatt abgetrennt.

Diese ältesten Points sind meistens italienische und portugiesischeArbeit. Venedig war der berühmteste Fabrikort. Erst unter Colbert(um 1660) wurde die Spitzenfabrikation in Frankreich eingeführt.

Die französischen Points (points dAlentjon) sind mit den alt-portu-giesischen und den modernen Brüsseler Spitzen dem Prinzipe nachidentisch. Fig. 6 zeigt den Stich für den Grund, Fig. 7 den für dasMuster oder die Füllung.

Die brüsseler Points (points ä laiguille) zeigen beistehende Varietätdes Grundstichs (Fig. 8). Später wurde der Grund oder das Netzgeklöppelt und noch später mit Maschinen gemacht.

Die Flechtspitzen (plated lace) sind von den auf Leinengrund aus-geführten Spitzen oft schwer zu unterscheiden. Die ältesten geklöppeltenSpitzen sind dieser Art.