Textile Kunst. Prozesse. Geflecht.
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sollen. Ihr Stil richtet sich daher zunächst nach den Stoffen, die sieumsäumen oder garniren sollen. Sodann nach der Person, die sie trägt,der Veranlassung, wobei sie zum Putze gewählt werden etc. etc. Destoschwieriger und verwickelter ist für sie jede Stiltheorie, so weit diese dieProzesse berücksichtigen will, die alle zu ihrer Verfertigung bereitserfunden sind und noch erfunden werden könnten.
Das Geflecht trat schon in den zuletzt genannten Produkten alsflächenbereitend auf; diesen Zweck erfüllt es noch entschiedener inder eigentlichen Matte (der geflochtenen Decke).
Die geflochtenen Decken haben vorden gewobenen den ausschliesslichen Vor-zug, dass die Fadenelemente, woraus siebestehen, sich nicht nothwendig alle senk-recht durchkreuzen müssen, wie diess dieWeberei bedingt, sondern dass auch dia-gonale und nach allen Richtungen lau-
Aegyptisclies Geflecht.
fende Fäden in die Textur eingeflochten werden können. Dieser Vor-zug soll in dem Geflechte auf alle Weise behauptet, sichtbargemacht, zum Characteristicum erhoben werden
Die Kunst des Bereitens der Decken aus Rohrgeflechten ist uraltund hat seit den Zeiten des alten Reiches der Pharaonen keine wesent-lichen technischen Fortschritte gemacht; in der ästhetischen Auffassungdes Motives waren dagegen die damaligen Aegypter, sind noch jetzt dieIrokesen Nordamerikas und manche andere Wilde und Halbwilde unbe-fangener, glücklicher und sinnreicher als wir heutigen Europäer mitunserer bewunderten mechanischen Allmacht.
Semper, Stil. I.
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