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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Kleiderwesen.

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Sie zeigen sich dann, in Gemeinschaft mit allen anderen Leistungenund Sonderheiten der Völker, stets als Emanationen eines besonderenKulturgedankens, der sich gleichmässig klar in ihnen allen abspiegeltund ausspricht.

Die Beschreibungen der Kostüme oder vielmehr die kurzen An-deutungen darüber in den uns überlieferten schriftlichen Urkunden derVölker würden uns keine nur einigermassen deutliche Kunde von derihnen eigenthümlichen Kleidung, Bewaffnung und körperlichen Pflegeund Ausschmückung verschaffen, wären uns nicht zugleich die Darstel-lungen dieser den körperlichen Kult betreffenden Gegenstände an Sta-tuen, an Monumenten, an Geräthen, an Gefässen und sonst erhalten. 1Ihr Studium ist also auch in dieser Beziehung auf das Engste verbundenmit dem Studium der bildenden und technischen Künste und insbesonderemit dem Studium der Baukunst der verschiedenen Völker. In Berück-sichtigung dieses mehrfachen engsten Connexes zwischen dem, was dieKostümkunde betrifft und der Monumentalgeschichte, und zur Vermeidungunnöthiger Wiederholungen, verweise ich daher hierüber auf den zweitenTheil dieser Schrift, der die Verschiedenheit der Baustile mit der Ver-schiedenheit der gesellschaftlichen Zustände, die unter den Völkernherrschten, in Parallele stellt. Ueberdiess sind in der Vorrede darüberschon einige Andeutungen gegeben . 2

Unser alter Rhopograph Böttiger hat auch in Beziehung auf dieKostümkunde der alten Völker unter Allen, die darüber schrieben, dasMeiste geleistet und seine Schriften über diesen Gegenstand sind, abge-sehen von der Gelehrsamkeit von welcher sie strotzen, merkwürdig wegendes Scharfsinnes und des richtigen Gefühls der Antike, das sich darinausspricht. Dass sie vor der genauem Bekanntschaft mit den ägyptischenDenkmälern und vor der Entdeckung Ninive’s geschrieben wurden, steigertihr Verdienst, schwächt nur wenig das Gewicht ihres Inhalts.

Seitdem haben Spezialforschungen, die besonders auf dem Gebietedes mittelalterlichen Trachtenwesens thätig waren, in der neuesten Zeitauch die genauere Kenntniss der Monumente und der Kulturgeschichte

1 Diess gilt nicht von dem Alterthum allein, sondern hat gleichmässig seineRichtigkeit für das Kostümwesen des Mittelalters-und aller Jahrhunderte, von dem wirohne die erhaltenen Darstellungen auf Kunstwerken nur eine sehr dunkle und ver-worrene Vorstellung hätten.

2 Vergl, auch darüber den Aufsatz: Ueber die formelle Gesetzmässigkeit desSchmuckes und dessen Bedeutung als Kunstsymbol, von G. Semper. Zürich 1856.Abgedruckt in der Monatsschrift des wissensch. Vereines zu Zürich .