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Viertes Hauptstück.
Nur bei den Gräko-Italern erhielt der Ueberwurf freieste Entfal-tung, die wahrscheinlich durch älteste nationale Ueberlieferung vorbereitetwar, aber doch, wie ich bereits bemerkt habe, erst spät eintrat. DieserUebergang zur freien Draperie war das Resultat eines plötzlichen Auf-fassens und Erkennens des Kunstschönen, wie der ganze Aufschwung, denGriechenland nahm, nachdem es lange hinter den civilisirteren Nachbar-völkern zurückgeblieben, ein plötzlicher war.
ß. Das Prinzip der Bekleidung hat auf den Stil der Baukunst und der anderenKünste zu allen Zeiten und bei allen Völkern grossen Einfluss geübt.
§• 61 .
Allgemeines.
In dem dritten Hauptstücke wurde bereits mehrfach auf das Ent-stehen und die Ableitung der meisten dekorativen Symbole in der Bau-kunst aus den textilen Künsten hingewiesen; dasselbe bereitet auf dasnun Folgende über den tief greifenden und allgemeinen Einfluss derselbenund der ihnen ursprünglich angehörigen deckenden und bindenden Ele-mente auf den Stil und das formale Wesen der Künste und der Archi-tektur insbesondere vor. Man könnte sich wundern, dass in der ganzenKunstliteratur kein ernstlicher Versuch hervortritt, diese Frage in allenihren so überaus wichtigen Folgerungen zu behandeln, da doch in ihrder Schlüssel für manches Räthsel in der Kunstlehre und die Essenz dermeisten Gegensätze und Kontraste, welchen wir in formal-stilistischerBeziehung auf dem Gebiete der Kunstgeschichte begegnen, enthalten ist.Doch konnte diess nicht wohl geschehen, vor den neuesten Entdeckungenund Forschungen, die der allgemeinen Lösung dieser Frage vorangehenmussten. Diess ist die durch Quatrembre de Quincy zuerst angeregteund seitdem durch eine langjährige fast ununterbrochene Kontroversezwischen Gelehrten und Künstlern hindurchgeführte neueste polychromeAnschauung der antiken Architektur und Plastik, wonach sie nicht mehrnackt, in der Farbe des Stoffs, der in Anwendung kam, sondern miteinem farbigen Ueberzuge bekleidet erscheint. Diess sind die wichtigenAusgrabungen und Funde auf den verödeten Feldern, wo einst die uraltenReiche der Assyrier, Meder und Babylonier blühten, diess sind diegenaueren Darstellungen und Beschreibungen früher bekannter und die