Textile Kunst. Das Prinzip der Bekleidung in der Baukunst.
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wichtigen Entdeckungen neuer Kunstmonumente auf den Gebieten Persiens ,Kleinasiens , Aegyptens , Cyrenaikas und Afrikas . Diess sind endlich dienicht minder wichtigen Forschungen, die in den letzten zwanziger Jahrensich der mittelalterlichen Kunst, sowohl christlicher wie muselmännischer,zuwendeten.
Das bedeutendste Resultat dieser neuesten Eroberungen auf demGebiete der Kunstgeschichte ist der Zusammensturz einer verjährtenGelehrtentheorie, welche dem Verstehen der antiken Formenwelt unendlichhinderlich war, wonach hellenische Kunst als ein dem Boden Griechen lands urheimisches Gewächs betrachtet wird, da sie doch nur die herr-liche Blüthe, das letzte Bestimmungsziel, der Endbezug eines uraltenBildungsprinzipes ist, dessen Wurzeln gleichsam in dem Boden allerLänder, die vor Alters die Sitze gesellschaftlicher Organismen waren,weitverbreitet sind und tief haften.
War diese Ablösung und Lostrennung der klassischen Antike vondem grossartigen allgemeinen Bilde, welches die gesammte antike Weltgewährt und innerhalb dessen sich die erstere doch nur gleichsam alsHauptgruppe hervorhebt, die ihrer Umgebung nicht entbehren kann, durchsie erst getragen und in ihrem wahren Sinne erklärt wird, für die richtigeAuffassung der klassischen Kunst sehr hinderlich, so verloren dadurchjene umgebenden und vorbereitenden Theile des zerstückelten Bildes, dieParerga desselben, vollends alle ihre Beziehungen. So erklärt es sich,dass viele Bewunderer der Klassicität, denen der Sinn für Grösse undfür das Mannichfaltige im Schönen nicht natürlich innewohnt, sonderndie sich eigentlich erst in die Schönheitsbegeisterung hineinstudirten, ausVorurtheil und mangelnder Selbstständigkeit des Geschmacks in einesouveräne Verachtung der sogenannten barbarischen Kunst hineingeriethen,uneingedenk der Bewunderung, welche die Hellenen selbst, wie Herodot ,Xenophon , Ktesias , Polybios, Diodor und Strabo , der Grösse und Har-monie dieser barbarischen Werke zollten. Die Einstimmigkeit hellenischerSchriftsteller aus der besten Zeit über die Monumente Asiens und Aegyp tens hätte über den Werth derselben aufklären sollen und in Ermangelungeines eigenen Urtheils musste consequenterweise diess hellenische Schieds-gericht als Massstab der Schätzung jener Werke dienen. Aber man isthellenischer gesinnt als selbst die Hellenen, überbarbarisirt das Barbaren-thum und denkt dabei an eine Art modificirter Menschenfresserei, obschones nur einen Gegensatz bezeichnet, der nicht ursprünglich zwischen grie-chischem und ungriechischem Whsen bestand, sondern erst eintrat, wiejene lang vorbereitete Blüthe allgemeiner antiker Völkerkultur sich auf