Textile Kunst. Das Prinzip der Bekleidung in der Baukunst.
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§• 62 .
Das ursprünglichste, auf den Begriff Raum fussende, formelle Prinzip in der Baukunst,unabhängig von der Konstruktion. Das Maskiren der Realität in den Künsten.
Die Kunst des Bekleidens der Nacktheit des Leibes (wenn man dieBemalung der eigenen Haut nicht dazu rechnet, wovon oben die Redewar) ist vermuthlich eine jüngere Erfindung als die Benützung deckenderOberflächen zu Lagern und zu räumlichen Abschlüssen.
Es gibt Stämme, deren Wildheit eine ursprünglichste zu sein scheint,die keinerlei Bekleidung kennen, denen aber die Benützung von Fellenund sogar eine mehr oder minder entwickelte Industrie des Spinnens,Flechtens und Webens, die sie zur Einrichtung und Sicherung ihresLagers anwenden, nicht unbekannt ist.
Mögen klimatische Einflüsse und andere Verhältnisse hinreichen,diese kulturgeschichtliche Erscheinung zu erklären und mag aus ihr nichtunbedingt hervorgehen, dass diess der normale überall gültige Gang derCivilisation sei, immer bleibt gewiss, dass die Anfänge des Bauensmit den Anfängen der Textrin zusammenfallen.
Die Wand ist dasjenige bauliche Element, das den eingeschlos-senen Raum als solchen gleichsam absolute und ohne Hinweis aufSeitenbegriffe formaliter vergegenwärtigt und äusserlich dem Auge kennt-lich macht.
Als früheste von Händen producirte Scheidewand, als den ursprüng-lichsten vertikalen räumlichen Abschluss, den der Mensch erfand, möchtenwir den Pferch, den aus Pfählen und Zweigen verbundenen und ver-flochtenen Zaun erkennen, dessen Vollendung eine Technik erfordert, diegleichsam die Natur dem Menschen in die Hand legt.
Von dem Flechten der Zweige ist der Uebergang zu dem Flechtendes Bastes zu ähnlichen wohnlichen Zwecken leicht und natürlich.
Von da kam man auf die Erfindung des Webens, zuerst mit Gras-halmen oder natürlichen Pflanzenfasern, hernach mit gesponnenen Fädenaus vegetabilischen oder thierischen Stoffen. Die Verschiedenheiten dernatürlichen Farben der Halme veranlassten bald ihre Benützung nachabwechselnder Ordnung und so entstand das Muster. Bald überbot mandiese natürlichen Hülfsmittel der Kunst durch künstliche Vorbereitungdes Stoffs, das Färben und die Wirkerei der bunten Teppiche zuWandbekleidungen, Fussdecken und Schirmdächern wurde erfunden.
Wie nun der allmählige Entwicklungsgang dieser Erfindungen sein