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Viertes Hauptstück.
treten, die Technik, von welcher die Sprache selbst ihre Terminologie desBauwesens grossentheils entlehnte , 1 die vorarchitektonische Technik desWandbereiters nämlich, den wichtigsten und dauerndsten Einfluss auf diestilistische Entwicklung der eigentlichen Baukunst haben und behaltenmusste, dass sie gleichsam als Urtechnik zu betrachten sei, kann nachallem, was darüber bereits vorausgeschickt worden, keinem Zweifel mehrunterliegen, doch wird die zunächst folgende Uebersicht der Erscheinungender Baugeschichte, welche sich auf diese Thatsache beziehen, deren Evi-denz vervollständigen.
Nicht minder wichtig, aber bei weitem schwieriger, ist es zuermitteln, durch welche Uebergänge die eigentliche Baukunst, und mit ihrdie bildende Kunst allgemein betrachtet, in der Benützung der Stoffe zubildlicher Darstellung hindurchging und welche von diesen Mitteln diefrüheren, welche die späteren waren, die in Anwendung kamen. Es isthier zunächst nur von den Stoffen selbst, nicht von der Art ihrer Ver-werthung die Rede.
Das Bedeutsame dieser Frage für die Geschichte des Stils ist leichtersichtlich. Jeder Stoff bedingt seine besondere Art des bildnerischenDarstellens durch die Eigenschaften, die ihn von andern Stoffen unter-scheiden und eine ihm angehörige Technik der Behandlung erheischen.Ist nun ein Kunstmotiv durch irgend eine stoffliche Behandlung hindurch-geführt worden, so wird sein ursprünglicher Typus durch sie modificirtworden sein, gleichsam eine bestimmte Färbung erhalten haben; derTypus steht nicht mehr auf seiner primären Entwicklungsstufe, sonderneine mehr oder minder ausgesprochene Metamorphose ist mit ihm vor-gegangen. Geht nun das Motiv aus dieser sekundären oder nach Um-ständen mehrfach graduirten Umbildung einen neuen Stoffwechsel ein,
einfaches Naturgemälde zum hohen Kunstwerk erheben. Diess sind zum Theil Punkte,worin des Künstlers Aesthetik von den Symbolikern und auch von den Idealisten nichtswissen will, gegen deren gefährliche Doctrinen Rumohr, der jetzt von unsern Aesthe-tikern und Kunstgelehrten nicht mehr genannte Rumohr, mit Recht in seinen Schriftenzu Felde zog.
Wie auch die griechische Baukunst das Gesagte rechtfertige, wie in ihr dasPrinzip vorwalte, das ich anzudeuten versuchte, wonach das Kunstwerk in der An-schauung die Mittel und den Stoff vergessen macht, womit und wodurch es erscheintund wirkt, und sich selbst als Form genügt, dieses nachzuweisen ist die schwierigsteAufgabe der Stillehre.
Vergl. Lessing, Hamburg . Dramaturgie, einundzwanzigstes Stück und passim.
1 Siehe darüber den Artikel Hellenische Baukunst im II. Bande dieses Buchesund passim.