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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

In den ältesten Urkunden des Menschengeschlechtes werden dieTeppiche und Stoffe der Assyrier gerühmt wegen ihrer Farbenprachtund der Kunst der auf ihnen gestickten und gewirkten Darstellungen.Schon im Buche Josua (VII, 21) kommt eine solche Prachtarbeit baby-lonischer Webstühle vor. Sie werden als mit grotteskem Werke, fabel-haften Thierformen, Kämpfen und Jagden bedeckt beschrieben undheissen peristromata zodiata, belluata tapetia u. s. w. Auf Teppich-stickerei bezieht sich auch Hesekiel , wenn er (23 v. 24) von den rothenMännern, den Bildern der Chaldäer, spricht.

Ihnen nachgebildet, aber höchst wahrscheinlich bedeutend ägypti-sirend, waren die später berühmten tapetia alexandrina und die mehrgräcisirenden attalisch-pergamenischen aulaea. Wahrscheinlich hatten diehellenischen Herrscher zu Alexandria und zu Pergamos grosse Staats-manufakturen für derartige Teppiche errichtet, ähnlich wie es viel spätervon den Normannenfürsten in Palermo geschah.

Gräcisirt asiatisch mochte wohl auch der Peplos sein, den derSybarite Alkisthenes in dem Tempel der Hera Lakinia zur Schau aus-stellte und der von den Besuchern des Heiligthums unter allen Schätzendesselben am meisten bewundert wurde, obgleich sich darunter dieHelena des Zeuxis befand, was beiläufig gesagt beweist, dass das grossePublikum sich stets gleich blieb. Er scheint in drei Abtheilungen be-standen zu haben: in der Mitte waren Götter und Göttinnen, darüberSchlachten und Jagdscenen, darunter Männer von Susa und Perser, allein ihren Nationalkostümen und mit ihren Attributen. 1 Die Karthagerkauften später, nachPolemon, diesen Teppich für hundertundzwanzig Talente.

Nach Plinius 2 waren die alexandrinischen Fabrikanten die Erfinderder eigentlichen Teppichwirkerei, er hält also die älteren Teppiche Asiens durchweg für Stickereien? — Es wird immer mehr oder weniger unbe-stimmt bleiben, ob man an gestickte oder gewirkte Tapeten zu denkenhabe, wenn die alten Schriftsteller dieser Werke erwähnen, doch habeich meine Ueberzeugung bereits dahin ausgesprochen, dass alle ältestenWerke der Art Stickereien waren, von denen der Uebergang zureigentlichen Buntwirkerei an den Mustern der Kleider der assyrischen Könige, die auf den Basreliefs von Nimrud, Chorsabad u. s. w. abgebildetsind und die sich im Charakter so sehr von einander unterscheiden,

1 Aristot. Memorab. cp. XGIX. p. 200. Athenaeus XU. 541.

2 Plinius nat. VIII. 48. Plurimis liciis texere quae polymita appellant Alexandriainstituit.