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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Viertes Hauptstück.

aus einer Reihenfolge von Terrassen über einander, zugänglich durchTreppen und Rampen, aber jetzt verwittert und in Kegelform abgerundet.Das unterste Geschoss besteht aus Lehmbatzen, die oberen sind ausrothen unvollständig gebrannten Ziegeln ausgeführt , 1 mit welchen viel-leicht auch die unterste Terrasse bekleidet war.

Nicht Kalk, sondern Lehm diente als Bindemittel; der untere Bauscheint älter, die oberen Terrassen gehören der neubabylonischen Zeitan, denn Nebukadnezars Inschriftzeichen finden sich auf den Ziegelneingeprägt.

Südlicher und an der Ostseite des Euphrat liegen die grossenRuinenberge von Kiffer und Zibbliyah unter vielen unbesuchten und un-gekannten derselben Art. Sie wurden von Layard untersucht, jedochnur flüchtig und mehr in der Absicht, dort Schätze für das britischeMuseum zu finden , 2 denn mit irgend einer bauwissenschaftlichenAbsicht. Sie lagen am Rande der Sümpfe und man fand auch hierHunderte von Särgen aus Terrakotta, mit jener grünen mit Kupferoxydgefärbten Bleiglasur, wegen welcher sie für die Geschichte der Keramiksehr merkwürdig sind. (S. Keramik.)

Neben diesem noch andere Gegenstände des eigenthiimlichen Stiles,den ich chaldäisch nennen möchte. 3

Die Ruine besteht aus unregelmässigen Mauermassen, die durchstrassenähnliche Einschnitte in vier getrennte Gruppen geschieden sind.Ein Thurm aus Luftziegeln erbaut und von viereckiger Grundform erhebtsich über der Nordostecke der Ruine. Neben dem Thurm stösst man

1 Man findet unter den Konstruktionen Mesopotamiens zweierlei Arten von Back-steinmauerwerken ; die eine besteht aus rothen roh gebrannten und mit Lehm oderAsphalt verbundenen Ziegeln, die andere aus gelblich weissen, aus fast reiner Thonerdebestehenden Klinkern, die so sorgfältig in Kalk gesetzt sind, dass sie sich schwer vonder Kalkmasse und von einander trennen lassen. Diese Art Klinker war während desneubabylonischen Reiches unter Nebukadnezar üblich, so dass man geglaubt hat, siesei eine spätere Erfindung und ein Fortschritt der Ziegelkonstruktion von verbältniss-mässig jungem Datum. Doch will man jetzt den uralten wahren Thurm von Babelentdeckt haben, dessen quadratische hundertvierundneunzig Meter breite Basis vonZiegeln aus dem feinsten gelbschimmernden beinahe weissen Pfeifenthone ausgeführtist. Sie sind vortrefflich gebrannt, nachdem sie vorher aus freier Hand mit dem zier-lichsten Schriftzeichen gemarkt waren. Zwei Etagen von den acht, die der Thurmhatte, haben sich noch vollständig erhalten. Man sieht den Berg von zwanzig LieuesEntfernung. Siehe den Bericht über diese von Herrn Place gemachte Entdeckung imMoniteur universel (1856) und Moignos Cosmos vom 20. Febr. 1857.

2 Darin nicht wesentlich vom Neger Wusswass verschieden. (Seite 303.)

8 Layard, Niniveh and Babylon, pag. 562.