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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Aegypten . Altes und neues Reich.

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§• 75 .

Aegypten . Altes und neues Reich.

Der bekannte Ausspruch Herodots, die Aegypter seien in allenihren Sitten und Gesetzen das Umgekehrte aller übrigen Völker, bestätigtsich vollkommen auch in den Künsten und findet ganz besondere An-wendung in der uns beschäftigenden Frage, so dass wir von hier ausdiese von einem entgegengesetzten Standpunkte aus auffassen und ihrganz neue Seiten abgewinnen können. Doch gilt diess nur für das theo-kratisch-monarchische Aegypten , dessen Gründer für ihren Staat einenarchitektonischen Ausdruck schufen, dessen Grundgedanke der Gegensatzdes kriegerisch-feudalistischen Bauprinzipes Westasiens ist. 1 — Obschonnun der Ursprung dieses pharaonischen Aegyptens, welches Herodot beiseiner Beobachtung vor Augen hatte, über den Horizont aller Kunde undselbst über die natürliche Dauer der festesten Menschenwerke hinaus-reicht, so fusst und wurzelt es dennoch auf dem Schutte eines noch vielälteren sozialen Zustandes, der dem westasiatischen nahe verwandt gewesensein mochte. Die ältesten und massenhaftesten Monumente der Erde, diePyramiden Nieder-Aegyptens, bezeichnen an der Grenzscheide der Men-schengeschichte gleichsam den Uebergang von dem ältesten, feudal-kriegerisch gestalteten, Staate zu der darauf gepflanzten hierarchischenLandesaristokratie mit ihrer Lapidargeschichte. Sie tragen noch diedeutlichen Spuren des älteren Regime und sind mit den sie umgebenden,zum Theil gleichzeitigen, Gräbern und Denkmälern in der That in Man-chem diesem fast mehr zuzurechnen als dem pharaonischen Aegypten .

Sie sprechen noch eine andere Sprache zu uns als jene Tempcl-paläste Thebens, eine Sprache, von der die jüngere nur einen Theilihrer Typen entnahm, soweit sie mit dem neuen Prinzipe nicht in Wider-spruch standen. Wir erkennen diess deutlich, obgleich jene ältere Sprachean den Monumenten der Pyramidenkönige schon in der Metamorphosebegriffen ist und diese Monumente wie der Thurm von Babel gleichsamin die Zeit der Sprachverwirrung fallen.

Das eigentliche Volksleben Aegyptens behielt sogar bis auf spätereZeiten, wo es nicht von priesterlich-bureaukratischer Bevormundung zusehr beengt war, eine der freien Kunst günstigere Tendenz bei; diessbeweisen die Gräbergrotten mit ihren zum Theil anmuthigen, erzählend

Vergl. im zweiten Theiie die Hauptstücke Aegypten und Ghaldäa.