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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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413
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Textile Kunst. Das eigentliche Griechenland . Allgem. Betrachtungen. 413

Diess alles sind uns bereits von Asien her bekannte Erscheinungen,allein sie treten hier noch schlagender hervor und berühren gleichsamunmittelbar unsere eigensten architektonischen Traditionen . * 1

In der That, bis hieher bietet die hellenische Kunst nichts ebenNeues: die alten barbarischen und zwar zum Theil entlehnten, nicht mehrverstandenen, Elemente, unter denen jedoch die vielleicht stammverwandt-schaftlich ererbten asiatischen, die wir schon kennen, vorherrschend sind,aber hier in konfuser ungesetzlicher Mischung, mit schwächerer Kunst-praxis zuweilen unverstanden gehandhabt. Ein reicheres Sein, dasKunst-werk der Zukunft, kündigt sich nur erst an, in dem mehr äusserlichbewegten als von innen belebten Figurenschmuck, der anfängt bei seinerFigurantenrolle objektiver Repräsentation, die ohnediess keinen Sinn mehrhat, weil sie nicht mehr verstanden wird, sich zu langweilen und zu seinerZerstreuung in subjektivster Weise zu zappeln und zu rennen.

Athene Chalkioikos auf der Burg von Sparta aus heroischer Zeit. Toreutisches Werkwar wahrscheinlich auch der Thron des amykläischen Apoll, den Bathykles der Magnesierbaute (VII. Jahrh.). S. Paus. III, 18, 19. III, 17. X, 5.) Antike Bronzesäulen(gegossene) befinden sich jetzt in der Basilika des Lateran .

1 Eine sehr überraschende und erwünschte Stütze erhält alles Gesagte durch dieAnalogie ähnlicher Erscheinungen auf andern Gebieten des formalen Schaffens. Vonder Bildnerei war schon früher im Texte die Rede, aber auch das Geräthe der Griechenmachte dieselben Phasen des Stoffwechsels durch, wie der Tempel, nur dass bei dem* Geräth alles deutlicher hervortritt als bei letzterem und es weniger auffällt, wenn z. B.behauptet wird, die schönen Kandelaber und Dreifüsse aus Marmor, welche den Vatikan und den Louvre schmücken, seien nicht die alleinig durch den Stoff (den Stein)bedungenen Kunstformen, die der konstruktive Grundgedanke habe annehmen müssen,um das Schönheitsgefühl zu befriedigen, sondern sie seien in ihrem formalen Erscheinenbedungen durch den Stil, der ihnen noch von der Zeit her anhafte, wie sie aus getrie-benem Metalle oder aus gebranntem Thon und nicht aus Stein waren, dass, sageich, diess weniger überrascht als wenn dasselbe von den Marmortempeln behauptetwird, U nd dennoch verhält es sich mit diesen auf ganz gleiche Weise. Zur Illu-stration des Gesagten gebe ich hier einen Kandelabersturz aus bester Zeit, den ich ineiner der Antikensammlungen Siciliens, ich glaube zu Palermo , zeichnete. Der Metallstiltritt an diesem zierlichen Geräth aus weissem Marmor noch unverkennbar hervor.Auch der Stil der Kleidertrachten der Griechen bietet ein interessantes Analogon mit demihrer Baukunst. Im heroischen Alter die orientalisch tief gefärbte, bunte, reich gestickteund verhüllende Gewandung, die Sarapen, Kalasiren und assyrischen Aktaien. Hernachzur Zeit der Tyrannen das zierliche Gefältel der Sindones und Peplen, das entsprechendekonventionelle Lockengebäude mit elegantem Cicadenschmuck, zuletzt der freieFaltenwurf, das Hymation und der Chiton; Uebergänge durchaus denen parallel,welche der Tempel bis zu seiner vollständigen Emancipation vom Stofflichen durchzu-gehen hatte, wie ich zeigen werde.