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1 (1878) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Textile Kunst. Vollendeter Stil.

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entsprechenden Modifikationen in der Weise seiner Benützung. Dabegegnen wir zuerst der Anwendung einzelner Säulen und sonstiger her-vorstehender Theile des Baues aus weissem Marmor, während alles übrigeaus Ziegeln oder gewöhnlichem Bausteine ausgeführt ist.

Diese akrolithe Verwendung des weissen Marmors ging in derBaukunst dem vollständigen Marmorbaue voran, ähnlich wie diese Artder Benützung desselben Stoffes die Frühperiode der Marmorskulpturbezeichnet. An verschiedenen Werken des Uebergangs in die Glanz-periode der Architektur ist dieses akrolithe Vorkommen des weissenMarmors nachweislich; wie z. B. an dem etwa fünfhundertzwanzig Jahrevor Christus beendigten 1 Tempel zu Delphi, dessen Facade die Alkmäo-niden, die den Tempelbau übernommen hatten, ohne kontraktliche Ver-pflichtung in parischem Marmor ausführten, um so die Gottheit mehr zuehren, während der übrige Tempel aus Poros bestand.

Ein anderes Beispiel ist der noch aufrechte Tempel zu Aegina ,dessen sonst mit Stuck überzogenes Mauer- und Säulenwerk ein Kranz-gesims und ein Dach aus weissem Marmor krönte.

Der Tempel zu Bassae ist gleichfalls hierher zu rechnen; seineSäulen und Mauern sind nicht aus Poros, sondern aus grauem unschein-barem Kalkstein ausgeführt, der mit Stuck überzogen war, nur die Frieseund Giebelzierden so wie die Dachziegel waren Marmor.

Von dem Palast des Mausolos aus wahrscheinlich glasirtem Ziegel-werke mit Gesimsen und sonstigem Ornatus aus prokonnesischem Marmorwar schon oben die Rede.

Auf welche Weise wurde nun hei diesen und allen anderen aus soverschiedenen Stoffen zusammengesetzten Werken die letzte harmonischeVollendung erreicht? Die heterogenen Stoffe, die nicht einmal in rhyth-mischer Ordnung zusammentraten, konnten offenbar nicht bestimmt sein,durch Farhenverschiedenheit oder sonstige Kontraste architektonisch oderornamental zu wirken; niemand wird den Hellenen die GeschmacklosigkeitZutrauen, farbige Stucksäulen und bemalte Wände mit einer weissenFronte vorzuschuhen oder gar ihnen einen weissen Hut aufzusetzen.

Somit bleiben nur zwei Möglichkeiten, entweder verschwand allerStoff als solcher unter einer gemeinsamen farbigen Hülle oder der weisseMarmor wurde durch Stuckmarmor an den übrigen Theilen nachgeahmtund der ganze Bau erschien weiss. — Der letzteren Annahme folgenKugler, Ulrichs und andere; sie erklären jede davon abweichende gradezu

1 Er wurde, wie es scheint, niemals in allen seinen Theilen ganz fertig.