Textile Kunst. Verdrängung der Wandmalerei durch die Tafelmalerei. 447
schimmern Hess; eine Raffinerie, die noch gleichsam ein Kompromisszwischen dem alten und dem neuen konstruktiven Grundsätze derDekoration in sich schliesst.
Sodann die von Plinius als frühestes Beispiel der Anwendung bunt-farbigen Marmors aufgeführten Stadtmauern der Chioten, über die M. Cicerosich dahin ausliess, dass er sie mehr bewundern würde, wenn sie austiburtinischen Steinen beständen. Plinius fügt hinzu: In der That kanndie Autorität des Marmors uns nicht veranlassen, eine Dekoration zubewundern, die durch den gewöhnlichsten Maueranstrich erreicht wird,ja dieser behält immer noch den Vorzug. * 1
Wenn wir also diese Anekdote mit ihrem Zusatze richtig verstehen,so folgt daraus zugleich, dass die Römer zu Ciceros Zeit ihre tiburtini-schen Quaderwerke bunt stuckirten. In demselben Kapitel führt dergenannte Autor noch an, dass Menander , der genaueste Beschreiber desLuxus, die buntfarbigen Marmorsorten und überhaupt den Marmorschmuckzuerst, und auch nur selten, berührt habe. Menander dichtete seine Lust-spiele um 300 v. Chr., also um die Zeit gleich nach Alexander.
Dieser zuerst rein dekorative Gedanke wurde ohne Zweifel durchdie polylithe Benützung buntfarbiger Marmorplatten und eingelassenerseltener Gesteine vorbereitet; man wollte mehr Luxus zeigen, indem mandie Mauer selbst aus diesen edlen Stoffen ausführte, und so entstanddas buntscheckige Quaderwerk, dessen gemalte Nachahmungen in Pompeji so häufig sind. 2 Mehr Originalität zeigte Nero, der in seinem goldenenHause einen ganzen Tempel aus orientalischem Alabaster ausführen Hess,
Vitruv . II. cap. 8 . E marmore seu lapidibus quadratis.
Id. II. 8 . Gum ergo tarn magna potentia reges non contempserint lateritiorumparietum structuras quibus et vectigalibus et praeda saepius licitum fuerat non modocaementitio aut quadrato sed etiam marmoreo habere etc.
Id. IV. 4. Seu autem quadrato saxo aut marmore.
Plin. XXII. 3. Herbis tingi lapides, parietes pingi.
Idem XXXV. 1. Goepimus et lapidem pingere.
Vitruv III, 1. In araeostylis liec lapideis nec marmoreis epistyliis uti dalur, sedimponendae de materia trabes perpetuae. (Und viele andere.)
1 Ich will nicht für die Richtigkeit meiner Auslegung der schwierigen Stelleeinstehen.
2 Nonnus, ein christlicher Schriftsteller des V. Jahrh., schreibt die Erfindung desbunten Quaderwerkes den Tyrern zu. Dionys. V. 55, pag. 134. Es stimmt übrigensmit unserer früher entwickelten Anschauung asiatischer Weise in der Dekoration voll-ständig überein, dass die buntfarbigen Quader zunächst nur bei Stadtmauern und Fun-damenten erwähnt werden.