Textile Kunst. Die Römer. Frühe Zeit.
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die alten gräko-italisehen Kunsttraditionen, man möchte sie eben so wohldie indogermanischen nennen, das Gemeingut der Griechen und der Völker,die nach Italien zogen, vor ihrer nationalen Trennung, Traditionen, welchedie Italer länger und gleichsam buchstäblicher festhielten, welche dagegendie feiner organisirten Griechen (unter zuerst günstigeren Verhältnissenund mancherlei Einflüssen von Seiten anderer mehr oder weniger ver-wandter Völker, mit denen sie in Berührung traten), zum Theil früherund freier weiterbildeten, zum Theil, wie den Bogen, fallen Hessen . Beideverwandte Stämme hatten dieselben technischen Grundsätze und Methodendes Kleidens, der Töpferei, des Metallarbeitens, des Zimmerns und desSteinkonstruirens; die häuslichen Einrichtungen waren ursprünglich die-selben, dessgleiehen viele architektonische Grundformen und Kunstsymbole,die schon vor der Volkstrennung ihren Abschluss erlangt hatten. Daherkommt es, dass es für uns schwierig ist, im Einzelnen bestimmt zu ent-scheiden, ob gewisse römische Motive, die auch griechisch sind, der altengemeinsamen Tradition angehören oder von Hellas eingeführt wurden,nachdem dieses seine Kolonien nach Italien und anderen Westländernabgesetzt und einen bedeutenden Handelsverkehr mit diesen eröffnet hatte.Manche Anzeichen lassen aber vermuthen, dass in den meisten fraglichenFällen die erstere Annahme das Wahre enthalte, und dass die hetrurischenund römischen Modifikationen gewisser auch bei den Griechen üblichenFormen die älteren Typen dieser letzteren darstellen . 1 Auf anderenGebieten, z. B. auf dem der Mythologie und der Sagengeschichte, magdas Gleiche der Fall sein.
Ausser diesen altitalischen Kunsttraditionen und dem frühen Ueber-gewichte, das hellenische Bildung über den Geschmack der italischenVölker gewonnen hatte, sind als dritter Faktor, der den Baustil der spä-teren weltbeherrschenden Roma entstehen half, die unmittelbaren ägypto-asiatischen Einwirkungen auf Sitte, Lebensweise und Kunst der Römer,kurz vor und während ihrer Universalherrschaft, zu bezeichnen; — un-mittelbar nur im Gegensätze zu den auch mehr oder weniger orientali-sirenden Stammesüberlieferungen, denn vermittelt waren diese Einflüsseschon durch die griechischen Fürsten, welche bei ihren Städtegründungenin Asien und Aegypten bereits vor den Römern dieselben barbarischenElemente der Baukunst im gräko-italischen Sinne verarbeitet hatten. Aberdie Art der Raumespoesie, die sich ausdrückt durch das Zusammenstellen
1 In dem zweiten Bande der Schrift, der das Allgemeinere in Beziehung aufStile der Baukunst enthält, wird die Durchführung dieser Bemerkung folgen.
Semper, Stil. I. 29