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Fünftes Hauptstück.
und. des Ausgusses vertritt; die gemachte Oeffnung und die Abplattungdes untern Theiles durch einen leichten Druck auf den Tisch reichenhin, um das Ei aus seiner absoluten Indifferenz herauszureissen und esals Gefäss mit dem Menschen in Beziehung zu setzen. —
Wenn es somit keine reinen ungemischten Gefässformen gibt, soist dennoch in den meisten Fällen eines der angeführten Motive das vor-herrschende, oder wenn zwei von ihnen in gleicher Stärke hervortreten,so verschwinden dafür in gleichem Verhältniss andere. Zum Beispielist jeder Löffel zugleich ein kleines Reservoir, aber die Funktionen desSchöpfens und Ausgiessens sind doch bei ihm vorherrschend und formen-bestimmend.
Zu diesen fundamentalen Grundmotiven der Gestaltung kommennoch drei andere als accessorische hinzu; nämlich
1) das Fussgestell (der Stand);
2) die Handhabe (der Henkel);
3) der Deckel oder unter Umständen der Pfropf.
Durch die Verbindung dieser drei accessorischen Bestandtheile desGefässes mit den vier Grundformen werden diese eigentlich erst zu ge-gliederten Organismen erhoben, an denen sich die Mannigfaltigkeit durchdas Kunstschöne zu zwecklicher und gleichzeitig formeller Einheit ge-stalten mag.
So wichtig jedoch diese Extremitäten für den Stil in der Vasenkunstsein mögen, so können wir sie dennoch bei der Klassifikation der Gefässenicht als Gattungskriterien gelten lassen, sondern beabsichtigen wir diesenur nach den früher genannten vier zwecklichen Fundamentalverschieden-heiten der Gestaltung zu gruppiren.
§■ 92.
Klasse I. Das Fass (Reservoir). Griechisch Pithos. Lat. Dolium. Franz. Jarreund Cuvier . Span. Tinaja. Toskanisch orcia, tino und coppo. Koupchin in Armenien .
Die sphäroide oder ovoide Form der vertikalen Durchschnittsebenen,die bald mehr bald weniger der Kreisform sich nähern, ist hier typischund naturgesetzlich. — Jedoch unterliegt diese Grundform je nach denspezielleren Bedingungen ihrer Anwendung den mannigfachsten Variationen.So z. B. erhält das Fass eine konzentrirte Gestalt, wo heisse Flüssigkeitenmöglichst lange warme oder kalte Flüssigkeiten in wärmerer Umgebung,