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2 (1879) Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Keramik. Klassifikation der Gefässe.

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ohne Anwendung des Mittels der Evaporation, möglichst lange kühl zuhalten sind. Es wird eine entgegengesetzte Form erhalten müssen, wennman eine Flüssigkeit oder die Umgebung durch Evaporation abkühlenwill. In diesem Falle handelt es sich natürlich darum, die evaporirendeOberfläche zu vermehren, welche Rücksicht die sonst unerklärlichen barockenFormen der spanischen Alcarazzas und Bucaros motivirte, deren Seiten-stücke uns vielleicht an einigen antiken Vasen des südlichen Italiens mitgleichfalls höchst barocken, aber die Oberfläche vermehrenden plastischenExtremitäten begegnen. Ein Reservoir, das zugleich als Kessel dienen

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Fass des Diogenes .

soll, nämlich zur Erhitzung der Flüssigkeit über einem darunter befind-lichen Feuer, muss eine oben sphäroide aber unten abgeplattete odervielmehr besser konkav gewölbte Oberfläche erhalten, u. s. w.

Die ältesten Töpfe sind zum grössten Theile von dieser Gattung.Die meisten assyrischen und ägyptischen Gefässe aus Thon haben inmehr oder minder ausgesprochener Weise die Dolienform. Eben sosind die altgriechischen und römischen Dolia, von zum Theil kolossalenVerhältnissen, der reine Ausdruck dieses Typus. Sie finden sich in denverschiedenen Sammlungen zum Theil in sehr grossen Verhältnissen;z. B. eins in rother gebrannter Erde von ausnehmender Grosso in demMusee cdramique zu Sevres , ein anderes gleichfalls sehr mächtiges im