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2 (1879) Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Achtes Hauptstück.

Die Balkenköpfe bethätigen sich erstens als Repräsentanten derinneren Balkendecke, zweitens als Kopfstücke (Ausläufer), endlichals horizontale Träger. Ihre Symbolik ist darnach zu gehen. ImMittelalter blieben sie Balkenköpfe im einfachsten Sinne, man fasstesie ab, profilirte sie auch wohl der Quere nach mit Nasen und Hohl-kehlen, oft schnitt man zwar Köpfe aus ihnen heraus, ohne jedoch sichder zwecklich-struktiven Symbolik dieses Motives bewusst zu sein.

Die Renaissance fasste sie, wahrscheinlich wieder anschliessend anden romanischen Holzstil, in der antiken Weise als horizontal vorwärts

Konstruktionsschema der Fachwerksüberkragnngen.i

strebende und Last aufnehmende ideale, vegetabilische Form (Voluten-konsole) auf.

Das zweite stützende Glied, das Kragholz oder der Bug, ist wiejenes aktiv und dienend. Im gothischen Mittelalter ist es oft nur derganzen Höhe nach ausgekehlt mit Aussparung eines halb oder ganzerhabenen Schnitzwerkes (eines Heiligen unter einem Baldachin, einesWappenträgers, eines einfachen Wappens u. dergl.).

1 Aus den Mittheilungen der k. k. Kommission zur Erforschung und Erhaltungder Baudenkmäler. (Jahrg. III. Febr. 1858.)