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Elftes Hauptstück.
plastische) Malerschule zu nie erreichter, selbst den Alten unbekannterHöhe und Vollendung.
Von unserem Standpunkte der Technik betrachtet, charakterisirtsich diese italische Renaissance als plastisch-stereotomisch, als Gegen-satz des Byzantinismus und Orientalismus , den ich, von dem gleichenStandpunkte aus, Flächenstereotomie nannte. Den Einfluss der Toreutikauf den Stil der Architektur und Plastik der Renaissance haben wir schonfrüher hervorgehoben. Er spricht nicht nur deutlich aus Donatello’s gleichsam stählernen, herben und reich motivirten Metall- und Stein-bildnereien, auch Michelangelo ist wenigstens ebenso sehr Toreut wiePlastiker. Er schafft aus dem vollen Steinblock, nach kleinen Wachs-modellen oder ganz ohne Vorlage, und folgt dem unmittelbaren Geniusseines gewaltigen Meisseis. Das ist nicht auf Stein übertragenes Thon-modell, sondern ächte Steinskulptur!
Gleichzeitig aber, wie für jene Meister das stereotomische Elementmehr bezeichnend hervortritt, zeigt sich eine andere, nicht minder berechtigteund in ihren Leistungen bewunderungswürdige Richtung der Bildnerei,die das plastische Element mehr hervorhebt. Solcher folgten die PlastikerLorenzo Ghiberti und Luca della Robbia mit ihren Schulen. Sie gipfeltin dem (eigentlich niederländischen) Meister Johann von Bologna.
So Hesse sich also auch hier die Parallele zwischen antiker Kunstund der Renaissance festhalten. Wie in der ältesten antiken Künstler-geschichte gewisse Namen die beiden Gegensätze altgriechischen Bildner-stils, den plastischen und den stereotomischen, symbolisiren, wie die Ver-schmelzung beider nach verschiedenen Mischungsverhältnissen mit derEntwicklung der Bildnerei zusammenfällt, so wird das Gleiche oderAehnliches auch für die Geschichte der modernen Bildnerei zu ver-folgen sein.
Auch in den Kleinkünsten, besonders den metallotechnischen, regtsich auf italischem Boden in Folge jenes allgemeinen Aufschwungs neues,überall individuell und kräftig sich gestaltendes Leben. In dieser Beziehungsind gewisse Elfenbeinschnitzwerke auf Diptychen, Bücherdeckeln undsonstigen Gegenständen, besonders aber einige metallene Kirchengeräthe,stilgeschichtlich wichtig, gleichsam als Erstgeburten der Vermählung desalt-nordischen Drachengewirrs mit der antiken, aber in romanischer Auf-fassung durchaus selbstständigen, Akanthusranke. Zu den ältesten undschönsten Beispielen dieser romanisch-nordischen Ornamentik gehören dieElfenbeinbildnereien des Abtes Tutila von St. Gallen (f 912), auf denendas romanische Rankenwerk schon in seiner Eigenthümlichkeit vollständig