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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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I. Einleitung. Ueber den Begriff der Facies.

als diejenige im Cassianer Gebiete, diejenige in der Schweiz anders als in den lombardischen Alpen ,die deutsche anders als die apenninische, alles verschiedene Facies, welche verbunden sind durchdie Gleichzeitigkeit ihrer Bildungen, getrennt durch die verschiedenen äusseren Bedingungen ihrerEntstehung. Mojsisovics möchte desswegen den NamenKeuper für die entsprechenden alpinenSchichten vermeiden, weil er diese Bezeichnung beschränkt wissen will auf die deutsche Facies; erbetrachtet den (deutschen ) Keuper als besonderen Fall, als eine Facies seinerNorischen Stufe.Nun ist es aber im Grunde ganz gleichgültig, welchen Namen wir als den umfassenden, welchenwir für die betreffende Facies annehmen. Irgend eine Faciesreihe müssen wir als bekannt voraus-setzen, um zu diesem Typus die übrigen Facies in Beziehung zu bringen und an der Hand des-selben die neuentdeckten Faciesgebilde in das System einreihen zu können; denn der Begriff derFacies ist ein comparativer: in demselben werden verschiedene Schichtenreihen miteinander ver-glichen. Was ist natürlicher, als dass wir zur Standard-Facies diejenige aufstellen, welche jedemgeläufig, am genausten und besten durchgearbeitet ist?

Wir werden also die wohlbekannte deutsche Trias zur leitenden Facies erheben und mit ihrdie andern Gestalten dieser Formation vergleichen, an welcher wir die Gleichzeitigkeit und die Ver-schiedenheit der übrigen Facies prüfen. Da wo wir finden, dass die alpine Facies mit der Standard-Facies übereinstimmt, werden wir den Namen der deutschen Schichtenreihe auch für die Alpen beibehalten, also vom alpinen Bunt - Sandstein, Röth und Muschelkalk sprechen; nur im einzelnen,gerade wie wir in Deutschland besonders benannte Etagen der Hauptabtheilungen haben, werdenwir auch in den Alpen spezielle Zonen, am besten benannt nach den charakteristischen Versteine-rungen , unterscheiden.

Die Untersuchungen über die Trias in den Alpen sind noch lange nicht so weit gediehen, dasswir auch nur annähernd die Grenzen der Faciesprovinzen zu bestimmen im Stande wären; grosseGebiete harren noch in jungfräulichem Schweigen, vieles der bekannten Gegenden ist noch zu ent-wirren, und in ferne Zeit scheint das Ziel unsrer Bestrebungen gerückt, auch nur diese eine deralpinen Formationen in allen ihren Theilen und ihrem Inhalte nach völlig erhellt verfolgen zukönnen. Um so weniger erscheint es daher jetzt statthaft, diese erst zu erobernde Facies der Triasetwa als die massgebende Schichtenreihe für die andern Länder hinzustellen. Es ist ja richtig,dass der alpine Keuper uns einen weit grossartigeren, reicheren Blick in die Zustände der Keuperzeitgestattet, als die ärmliche deutsche Facies dieser Periode. Welche aber der verschiedenen alpinenKeuperfacies sollten wir als die namengebende und normale Reihe anerkennen, welcher neue Namesollte für die ganze Abtheilung eintreten? Weitere Entdeckungen werden die jetzt aufgestelltenalpinen Faciesreihen bald genug verändern: und ein jeder Geologe würde das Recht beanspruchen,die allgemein angenommenen Namen der Formationsstufen nach seinen Entdeckungen zu verändern.Unser Bestreben muss vielmehr darauf gerichtet sein, die eigenthümlichen Faciesgebilde der Alpenmit der historischen deutschen Trias in Beziehung zu bringen, und die deutsche Trias durch diealpinen Funde und Beobachtungen zu bereichern und zu vervollständigen.